Berliner Studie: Computerspiele führen nicht zur Gewalt

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Umgekehrt wird ein Schuh draus: Jeder sucht sich die Spiele aus, die zu ihm passen.

Das fand eine Erziehungswissenschaftlerin der Freien Universität Berlin heraus. Astrid Kristen arbeitete unter Federführung von Professorin Maria von Salisch an einer Untersuchung über das Verhalten von Kindern an Berliner Grundschulen. Es handelte sich dabei weltweit um eine der ersten Untersuchungen mit Grundschülern überhaupt.

Über die Ergebnisse berichteten Dutzende von Online-Zeitungen gleich lautend unter dem Titel “Computerspiele führen nicht gleich zur Gewalt”, in der Tendenz offenbar gespeist durch die Nachrichtenagentur dpa, die Kristen interviewt hatte.

Computerspiele führen also dennoch, wenn auch später zur Gewalt? Genau das besagte die unabhängige und nicht für die “Killerspiele”-Debatte gemünzte Untersuchung eben nicht.

“Schüler und Schülerinnen suchen sich die Spiele aus, die zu ihrer Persönlichkeitsstruktur passen”, erklärte Kristen vielmehr. “Jungen, die eher ein aggressives Verhalten an den Tag legten, tendierten über die Zeit eher dazu, sich mit gewalthaltigen Computerspielen zu beschäftigen. Mädchen hingegen, die eher zum Lügen und Intrigieren neigten, wählten über die Zeit eher Rollenspiele als Lieblingsspiele aus.”

Diese Ergebnisse waren an sämtlichen Schulen ähnlich, ganz unabhängig von der örtlichen Sozialstruktur. Damit wäre also noch so ein Klischee vom Tisch, das mit Neukölln und Rütli zu tun hat. Hallo, Schäuble – den blöden Spruch mit den Slums von Neukölln doch nicht schon wieder vergessen?

Überlassen wir also das Interpretieren den populistischen Politikern aus Franken, Niedersachsen sowie Schwaben und geben der FU-Wissenschaftlerin das Schlusswort:

“Vieles deutet aber darauf hin, dass die simple Schlussfolgerung ‘Gewaltspiele machen gewaltätig’ eindeutig zu kurz greift.”

Noch Fragen, Beckstein? (bk)

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