Ergonomie am Arbeitsplatz ist mehr als eine Doktrin
Nehmen uns die Maus-Designer nicht ernst?

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Ein Demofilm über eine der ersten Computermäuse zeigt den langsamen Fortschritt bei ergonomischem Design in erschreckender Deutlichkeit.

Maus-Design seit 1968 nicht weiterentwickelt?

Ergonomie am Arbeitsplatz ist mehr als eine Doktrin

Sieht man sich das körnige Demo-Video von 1968 vom Maus-Erfinder Doug Engelbart an, ist man erschrocken, wie wenig sich in der Zwischenzeit geändert hat (siehe hier auf de Website der Stanford-Universität). Er verpatzt die Demonstration etwas, es geht nicht alles glatt und er scheint Schwierigkeiten zu haben, seinen primitiven Prototyp einer Maus dazu zu bringen, an die richtige Stelle auf dem Bildschirm zu zeigen.

Sicher aber ist es ernüchternd, wenn man sich genau vor Augen hält, was er tut – Text ausschneiden, kopieren, einfügen, Hypertext verwenden und an einer Videokonferenz teilnehmen, einschließlich gemeinsam genutzter elektronischer Tafel.

Was mich aber bei dieser bahnbrechenden Demonstration am Stanford Research Institute in Menlo Park, Kalifornien am meisten verblüffte, ist die Maus. Weder in Form noch Funktion sieht sie wesentlich anders aus als das Ding, das jetzt vielleicht neben Ihrer rechten Hand liegt.


RSI – die “Sekretärinenkrankheit”

Ergonomie am Arbeitsplatz ist mehr als eine Doktrin

So wie Engelbart die Maus hält und verwendet gibt es wahrscheinlich keinen Unterschied zu heute. Viele Jahre lang hat sich niemand wirklich Gedanken über das Maus-Design gemacht, die über reine Funktionalität hinausgingen. Aber als Probleme mit der “Repetitive Strain Injury” (RSI) begannen, auch “Sekretärinnenkrankheit” oder “Mausarm” genannt, weil der PC den Arbeitsplatz eroberte, kam es nur stufenweise zu Veränderungen.

Heute sind vielleicht ein paar Dutzend gute Designs auf dem Markt, aber Hunderte eher schlechte. Leider können viele Leute – sogar die, die es besser wissen müssten ? die Spreu noch immer nicht vom Weizen trennen, bis es dann schließlich zu spät ist und sie die schmerzvolle Erfahrung machen müssen, welches Elend RSI auslösen kann. Wenigstens ging es mir vor knapp einem Jahr so.

Ich habe über die Jahre viele Artikel über Ergonomie und Benutzerfreundlichkeit bearbeitet, mich selbst aber für immun gehalten. Zum Glück war es bei mir nicht zu schlimm und ich habe mich kuriert, indem ich meine normale Maus einfach weggeworfen und gegen ein angepasstes “vertikales Modell” eingetauscht habe, das ich für meinen Arbeitsstil geeignet fand.

Es ist aber dennoch traurig, dass ich noch keinen getroffen habe (einschließlich meiner Arbeitskollegen, die in die Kategorie “sie müssten es besser wissen” fallen) jemals von einer “vertikalen Maus” gehört hat. Aber jeder ist anders und andere Leute empfinden Trackballs (Rollkugeln), Trackpads oder sogar noch exotischere Designs als bessere Lösung.


Arbeitsschutzgesetze machen Sinn

Ergonomie am Arbeitsplatz ist mehr als eine Doktrin

Ergonomie am Arbeitsplatz ist in der modernen Gesetzgebung verankert. Aber wie viele Regeln und Vorschriften für den Arbeitsplatz sind sie oft nur typische Lippenbekenntnisse. Sogar die Mitarbeiter selbst betrachten sie oft als Doktrin von oben und nicht als vernünftige Empfehlungen.

Außerhalb des Büros können die Mitarbeiter machen was sie wollen. Und wenn es sie seit Jahren glücklich macht, Spielekonsolen mit einer beschissenen No-Name-Maus für 70 Cent zu arbeiten, werden sie kaum freiwillig 100 Euro oder mehr auf den Tisch legen, um ein ordentliches ergonomisches Äquivalent zu bekommen.

Jeder aber, der bereits das seltsame Stechen oder die Steifheit und die Krämpfe in Handgelenk, Armen oder Fingern zu spüren bekommen hat, wird dies als gut angelegtes Geld betrachten.

Wie uns einige der anderen Dinge, die in der Jahrzehnte alten Demo gezeigt werden, deutlich machen, können wir leicht der falschen Vorstellung erliegen, dass die Technologie wesentlich weiter fortgeschritten sei als dies in Wirklichkeit der Fall ist.

Die Vorschriften zum Schutz des Nutzers machen Sinn – so dumm wir sie (oder unsere Finanzcontroller) sie auch finden.

Kelvyn Taylor, IT Week