Anshe Chung an INQ: Ich habe gesprochen – und nicht Ailin Graef!

Allgemein

Anshe Chung heißt der Avatar der erfolgreichen Second-Life-Unternehmerin Ailin Graef. Am heiligen Morgen des 24. 12. 2006 um 9.50 MEZ meldete sich Anshe und verlangte freundlich die Berichtigung unseres Textes “Second Life: Angriff der fliegenden Penisse” vom 21. 12. 2006.

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Anshe führte in der Mail an den deutschen INQUIRER aus, Cnet habe unautorisiert ihre Herrin und Meisterin, die mit ihrer Identität schon rund eine Million echter Dollars gescheffelt haben soll, als Interviewpartnerin ausgegeben und damit die reale Person und die Online-Persönlichkeit verwechselt. Es habe aber nie ein reales Interview mit einer realen Person gegeben. Anshe sei nun aufgefallen, dass auch wir das so wiedergegeben hätten, und wir mögen das doch bitte korrigieren:

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Hi :-)

I have recently given one interview to CNet inside Second Life, being interviewed in character as “Anshe Chung”. There has never been any real-life or real-person interview. CNet wrongly and without consent posted the interview attribute quotes to “Ailin Graef”, confuse the real person and online personality.

I notice that you have copied the mistake to your story and I thought I should let you know, so that you can correct and replace “Ailin Graef” with “Anshe Chung”.

Here the link:
http://de.theinquirer.net/2006/12/21/second_life_angriff_der_fliege.html

Thank you :-)

Anshe

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Ailin Graef dürfte uns den Brief tatsächlich kaum geschrieben haben. Die gebürtige Chinesin lebte in Deutschland und hat den deutschen Informatiker Guntram Graef geheiratet, der für Firmen wie Siemens, SAP und BP tätig war, bevor er mit ihr das Anshe-Geschäft bei Second Life aufzog. Sie hätte wohl kaum solche Geschäftspost am heiligen Morgen versandt.

An der Autorenschaft von Anshe Chung sind aber auch Zweifel angebracht. In der Mail an uns – die vermutlich auch an andere Redaktionen ging – formulierte sie in ganz fließendem Englisch. In den Foren von Second Life wiederum wird berichtet, Anshe sei manchmal der englischen Sprache gar nicht mächtig, wenn sie rechtswidriger Machenschaften bei Second Life beschuldigt wird. Zu anderen Zeiten könne sie sich perfekt in Englisch ausdrücken. Es wird in diesem Zusammenhang spekuliert, ob sie sich verstellt – oder ob ein größere Anzahl von bezahlten Mitarbeitern als Anshe sprechen.

Eine offene Frage führt zu weiteren Fragen: Sagt Anshe die Wahrheit? Kann ein Avatar lügen? Gibt es eine virtuelle Wahrheit? Wie viel echte Kohle bringt eigentlich virtueller Lug und Trug? (bk)

Second Life: Angriff der fliegenden Penisse

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