Unschuldig unter Mordverdacht – Rausschmiss bei MySpace

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MySpace fackelt nicht lange, wartet keine Ermittlungen ab und schon gar kein rechtsstaatliches Urteil. Das traf einen Unschuldigen.

Als der 37-jährige Tom Stephens verhaftet wurde, verschwand auch seine Seite bei MySpace. Er wurde des Mordes an fünf Prostituierten im britischen Ipswich verdächtigt, da auch er Kontakte zu ihnen gehabt hatte. Kaum saß er in Untersuchungshaft, war auch schon seine MySpace-Identität weg.

Ein Mitarbeiter der britischen Tageszeitung Guardian konnte sie zuvor noch sehen und verriet Einzelheiten. Stephens nannte sich “The Bishop”, hatte acht “Freunde” und auch ein paar Fotos von sich selbst eingestellt. Er bezeichnete die Zeichentrickfigur Hong Kong Phooey als seinen Helden. Einer seiner MySpace-Freunde, Sebastian aus Merseburg, hinterließ auf seiner Seite den Gruß: “Heya Tom crazy football guy, greets from Germany”.

Kurz darauf war die Seite verschwunden mit der Meldung:

“Dieser Benutzer hat entweder seine Mitgliedschaft gekündigt, oder der Account wurde gelöscht.”

Da Tom Stephens zu diesem Zeitpunkt anderweitig untergebracht war, kann er es kaum selbst gewesen sein – dafür jedenfalls hat er ein unumstößliches Alibi. Inzwischen wurde er aber entlassen, da der 48-jährige Steven W. als der tätsächliche Mörder angesehen und angeklagt wird.

Wie bekommt er jetzt seinen guten Ruf bei MySpace zurück? Steht da irgendwo im Kleingedruckten, dass man keinesfalls unter Mordverdacht geraten darf, ohne aus der Gemeinschaft des “Social Networking” verstoßen zu werden? (Redaktion Inquirer/bk)

Linq

Guardian

MySpace (gelöschtes Profil)

Die Welt (Bericht über die Aufklärung des Falls)