Billige Gewaltspiele-Ausrede zieht nicht – 9 Jahre Haft

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Ein 19jähriger wollte einen brutalen Mord mit einem vorher gespielten Videospiel entschuldigen. Der als notorischer Spiele-Verteufler bekannte Hirnforscher Manfred Spitzer wollte ihm das gerne glauben – das Gericht aber nicht.

Das Gericht folgte weitgehend der Staatsanwaltschaft, die neun Jahre und drei Monate wegen des Mordes an einem Obdachlosen gefordert hatte. Es ordnete außerdem die anschließende Einweisung des alkoholkranken Täters in eine Entziehungsanstalt an.

Was das Gericht schließlich als einen Mord aus niederen Beweggründen erkannte, wollte der vom Gericht angehörte Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer lieber als durch ein zuvor gespieltes Wrestling-Spiel auf einer Playstation-Konsole beeinflusst sehen und damit entschuldigen. Der psychiatrische Gutachter Jürgen Rimpel hielt das aber für fragwürdig, und das Gericht folgte seiner Auffassung.

Dieser gerichtliche Auftritt war ein Eigentor des Spiele-Gegners Spitzer, den man bislang zumindest für einen der intelligenteren und eloquenteren Vertreter seiner Riege halten konnte. Seine Glaubwürdigkeit in Sachen Gewaltspiele wurde ihm gerichtlich aberkannt. Populistische Politiker wie Bayerns Beckstein aber werden sich dennoch weiter auf seine “wissenschaftlichen” Beweise berufen. (bk)

Märkische Oderzeitung

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