INQ-Schreiber überlebt Vistability-Test in Borgville

Allgemein

Tamlin Magee, Sohn des INQUIRER-Gründers Mike Magee, kam gerade noch lebendig von einem Ausflug ins Microsoft-Hauptquartier in Seattle zurück.

Tamlin hat mit letzter Kraft und literarischer Wortgewalt für uns aufgeschrieben, was ihm widerfahren ist:

Ich bitte jeden verbitterten Unterton oder ähnliche Gefühlsdurchbrüche zu entschuldigen, aber der Jetlag hat mich noch voll im Griff, von Verhungerung und Verkaterung gar nicht zu reden, da ich zurückgekehrt bin aus dem Microsoft-Hauptquartier in Seattle nach einem schnellen Fragen- und Antworten-Durchlauf und der dreitägigen Verlesung einer Presseerklärung. (Sic. Die Red.)

Die Borg haben den INQ vermutlich auf eine Tasse Tee eingeladen, weil wir notorische “Microsoft-Skeptiker” sind – und wir wurden von anderen mutmaßlichen Borg-Skeptikern wie den Leuten von lifehacker und einem netten Kerl von Slashdot begleitet sowie einigen Microsoft-MvPs. Für diejenigen, die keinen Schimmer von den inneren Kreisen der Borg haben, das heißt “Most Valued Professional”, also “besonders wertiger Profi”. Insgesamt waren wir ungefähr acht an der Zahl.

Nachdem wir mit Economy-Class nach Seattle flogen (danke, Microsoft!) und eine Chance bekommen hatten, uns mit einem kleinen Nickerchen zu erholen, war es auch schon wieder Zeit. Um sieben Uhr morgens. Zuerst ging es um Sicherheit bei dem Vista-Ding. Sie haben uns versichert, es stünde ganz wunderbar um die Sicherheit, und die Typen von Sophos wären eine Bande von Lügnern. Der Sicherheits-Typ prahlte mit vierzehn Jahren Erfahrung, und das alles wäre eingeflossen, um aus Vista ein erstklassiges Meisterstück zu machen, und die Borg versuchten ihr Bestes, damit es nicht zu viele Sicherheitslücken gibt. Da bleibt allerdings die Frage offen, ob man einem Mann vertrauen kann, der vierzehn Jahre lange für die Microborg-Sicherheit verantwortlich war …

Als nächstes kam die scheinbar zusammenhanglose, aber durchaus humorvolle Ansprache der für Community-Fragen zuständigen Führungskraft Jane Meseck. Der INQ durfte erfahren, dass Microsoft eine richtig nette Firma ist, und dass sie allen Arten von bedürftigen Gemeinschaften gerne aushilft, auch immer gerne bei der Bewältigung von Katastrophen hilft und dergleichen. Blah, blah. Ihre Kollegin, die NPower-Lady Jaime Green, die im weiteren von den guten NPower-Beziehungen zu den Borg erzählte und von all dem Guten, das die beiden für Nicht-Regierungs-Organisationen tun. Wir wollten wissen, ob es auch NGOs gäbe, denen NPower nicht helfen wollte, aber das kam wohl nicht so gut an. Lady Green wusste noch anzumerken, dass selbst Porno-Webmaster sich beim großen Plan schon nützlich machen konnten.

Schön, schön, das war ja alles ganz nett, aber wir wollten etwas über Vista hören. Der INQ musste hören, dass XP noch eine Gnadenfrist bis 2011 hat, bis es Zeit ist für die Schaufel, aber dass das Upgrade absolut erstrebenswert wäre, insbesondere dann, wenn man über tiefe Taschen verfügte. Die Gamer mögen frohlocken oder schluchzen, je nachdem, wie es um die Vistabilität ihres Computers steht, weil es Direct X 10 nur für Vista alleine geben wird, sprachen die Borg. Halo 2, F.E.A.R., Oblivion und der letzte Flugsimulator sahen alle extrem glänzend und schillernd aus, aber sie liefen schließlich auch auf erstklassigen Alienware-Kisten. Da wir gerade von Direct X sprechen: Die Version 9 läuft mit Vista ständig für die sanfte und schimmernde Video-Güte, während Direct X 10 erst beim Gamen in die Gänge kommt.

Für die Spielfähigkeiten von Vista wurde besonders Reklame gemacht, und sie wurden verbunden mit Microsofts Xbox 360, wie es aussieht – die Borg versuchen, den 360-Controller zum Standard für Windows-Spiele zu machen. Noch ein interessantes Leckerchen soll sein, dass Vista gewaltsame Spiele von den lieben Kleinen fernhalten können soll oder umgekehrt, und das mit noch viel besseren High-Tech-Methoden als zuvor mit den bewährten Ganz-oben-im-Schrank-verstecken-Techniken. Die Spiele-Einstufungen werden im Windows-Ordner angezeigt, und die Benutzer könnten Spiele wegfiltern, die Gewalt, Hinweise auf Drogen, Blut und all die anderen lustigen Sachen enthalten, die Spiele eben lohnend machen.

Warum soll man für Vista überhaupt was ausgeben, abgesehen vom Gaming? Shanen J. Boettcher, Borg Extraordinaire, war ganz heiß darauf, alle Arten von “Innovationen” in Vista aufzulisten. Da gibt es eine integrierte Suchfunktion im OS, die gegenüber dem kleinen orangefarbenen Hund in XP doch wesentlich verbessert erscheint. Die Assistenten erscheinen auch etwas nützlicher – sie führen einen durch den Ablauf von was immer man auch Originelles anstellt. Hilfe und Support wurden verbessert und bedienen die Benutzer mit geführten Touren, die genau das zeigen, was man unbedingt tun sollte. Innovativ? Vielleicht nicht, aber es ist sicher eine Verbesserung.

Als kleine Nebenbemerkung, hier ist der INQ auf einem Vista-Rechner. Und hier sieht man, wie es aussieht, wenn man The INQ als Heimatseite auf einem Vista-Rechner einrichtet.

Der neue Microborg Tyler Welch begrüßte uns den ganzen nächsten Tag, um uns mehr von Vistas Spielerchen zu zeigen, und hielt uns auch strahlend den iPod-Rivalen der Borg vor die Augen, den Zune. Viele DRM-Fragen wurden gefragt, aber noch viel interessanter war, dass wir ihn mit etwas Nachdruck zum Eingeständnis bewegen konnten, dass auch er sich schon online musikalische Raubkopien besorgt hatte. Aber, aber, damit tun wir dem Zune-Marketplace doch wirklich keinen Gefallen, Tyler?

Aber bei weitem am lohnendsten an dem ganzen Trip war es, durch den Microsoft-Campus zu stolzieren und überall mit Schadenfreude Fluppenasche zu Boden gehen zu lassen, um meine Verachtung für all die Neuinstallationen zu demonstrieren, die ich erleiden musste. Aber das regulierte Innenleben bei Microsoft war noch was ganz anderes. Auf einer abgelegenen Wandtafel in Gebäude 33 konnten wir Einsicht nehmen in den Zeitplan des durchschnittlichen Borg-Arbeiters:

inqseattle3ig9.jpg
inqseattle4ux4.jpg
inqseattle2tm4.jpg

PS: Eine besondere Erwähnung verdienen chick magnet und der Slashdotter Robin Miller, der sich nicht scheute, ein paar richtig unangenehme Fragen zu stellen, und dem es auch nicht besonders viel auszumachen schien, als ich seine Zigaretten schnorrte.

(von Tamlin Magee / aus Mageenglish ins Deutsche übertragen von bk)

Linq