Watergate-Ermittler soll bei Siemens aufräumen

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Nicht nur der Ruf ist durch die fortlaufende Korruptionsaffäre ruiniert. Auch die Bilanz des Siemens-Konzerns musste eben um einen dreistelligen Millionenbetrag korrigiert werden. Und Korruptionsexperten werden gerufen, um den Sumpf trocken zu legen.

168 Millionen Euro wird Siemens an Steuern nachzahlen müssen, da die Firma Aufwendungen abgesetzt hatte, deren Empfänger bis heute nicht so richtig klar zu benennen sind. Das könnte noch einiges mehr werden, da sich die Staatsanwaltschaft offenbar auch für weitere Siemens-Sparten interessiert. Aber nach dem derzeitigen Stand der Bilanzfortschreibung sind ja noch 3.033 Milliarden Euro an Gewinn aus dem Geschäftsjahr 2005/2006 übrig.

Noch thront Heinrich von Pierer in seinem Amt als Aufsichtsratsvorsitzender, unter dessen Ägide als Vorstandschef das Labyrinth aus Schwarzgeld und Korruption entstand. Kaum jemand kann sich noch vorstellen, dass ausgerechnet er ein Interesse an einer wirklichen Aufklärung haben könnte.

Jetzt müssen Berater von außen ran. Denn es besteht die dringende Gefahr, dass die amerikanische Börsenaufsicht SEC auch noch einen Blick in die Bücher von Siemens wirft, und das könnte noch wesentlich teurer werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind jetzt hochbezahlte Experten aus den USA im Anflug.

Die US-Anwaltkanzlei Debevoise soll die Kontrollsysteme des Konzerns überprüfen. Als Antikorruptionsberater aber wurde ein ganz harter Knochen angeheuert: Michael Hershman, Chef der in Sachen Informationsbeschaffung und Sicherheit aktiven Fairfax Group, der auch Transparency International mitbegründete. Er ist ein früherer Spezialagent des amerikanischen Militärgeheimdienstes und war Spezialist für Terrorismusbekämpfung. Als Korruptionsermittler der US-Regierung durfte er erfolgreich dabei helfen, den inzwischen historischen Watergate-Skandal aufzurollen. Da ging es unter anderem um die verdeckte Quelle “Deep Throat” und einen Einbruch im Hauptquartier der Demokratischen Partei durch fünf Kriminelle, die der damalige US-Präsident Dick Nixon angestiftet hatte.

Womit rechnen die bei Siemens jetzt noch? (bk)

Handelsblatt

Financial Times Deutschland

Watergate-Affäre