Achtung beim Server-Kauf
Verunsichern Vierkern-Chips die Käufer?

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Die neuen Vierkern-Server-CPUs (quad-core) mögen wohl eher für die PR-Maschinerie von Intel nützlich sein als für die Kunden dieses Unternehmens, erklärt Martin Banks.

Brauchen wir Quadcore wirklich?

Achtung beim Server-Kauf

Die in jüngster Vergangenheit von Dell, IBM und Co. auf den Markt gebrachten Server mit Quad-Core Clovertown Prozessoren von Intel sprechen für den rasanten Fortschritt der Mehrkerntechnologie im letzten Jahr. Ob nun dieses Tempo wirklich ein Segen für Industrie und Käufer von IT-Ausrüstung ist, steht aber in den Sternen.

Aus einem sehr begrenzten Blickwinkel heraus ist die Leistungsverstärkung eines Prozessors mit vier Kernen anstelle von zweien natürlich klar – so viel verstehe selbst ich von Mathematik. Erweitert man diesen Blickwinkel etwas, werden durch diese Art Prozessor echte Vorteile sichtbar, weil man mehr Leistung bei nur einem geringen Mehrverbrauch an Strom erhält: Analysten schätzen, dass durch den Stromverbrauch und das Wärmemanagement sich die Kosten für jeden Server jährlich zumeist mehr als verdoppeln. Da hilft die Stromspartechnik der “Mehrkerner” durchaus.

Die Frage aber bleibt im Raum. Brauchen wir zum jetzigen Zeitpunkt wirklich einen Quad-Core Prozessor? Wäre es nicht denkbar, dass die Server-Anbieter und ihre Kunden von Intel in genau diese Richtung gelenkt werden, nur damit das Unternehmen behaupten kann, dass es AMD die Führungsrolle bei hochentwickelter Prozessortechnologie wieder abgejagt hat?


Vermeintliche Vierkern-Technik: Mogelpackung?

Achtung beim Server-Kauf

Oder ganz anders: Die Server-Anbieter sind Intels wichtigste Kunden, und Mitte November – als die Quad-Core Server angekündigt wurden – ist genau der Zeitpunkt, der für seine Vertriebsaktiväten von höchster Relevanz ist. Intels Zeitplanung kommt nicht von ungefähr, denke ich mal. Betrachtet man den jährlichen Zyklus der Gelder, die vom Kunden aufgewendet werden, so sind die IT-Manager mit ihrem Budget für Hardware den größten Teil des Jahres extrem knauserig, aber im letzten Quartal wird auf Teufel komm raus noch Geld unter die Leute gebracht, damit unverbrauchte Budgets nicht verloren gehen.

Obwohl der vierkernige Clovertown bei der Steckerverbindung kompatibel mit den zweikernigen Prozessoren ist, gibt es klare Anhaltspunkte dafür, dass es den Server-Anbietern wesentlich lieber gewesen wäre, wenn sie dieses wichtige Quartal erst hinter sich gehabt hätten – und den Kunden nicht gerade jetzt ungewohnte Neuheiten hätten schmackhaft machen müssen.

Wie viele Kunden werden jetzt wohl denken, dass sie einen ansonsten unvermeidbaren Kauf eines zweikernigen Prozessors erst einmal verschieben, um die Beschaffung eines Quad-Core Prozessors in Erwägung zu ziehen? Ich bin sicher, dass die meisten Kunden vernünftig genug sein werden, um ihre bestehenden Einkaufspläne in die Tat umzusetzen und nur überlegen, ob sie vielleicht ein einziges vierkerniges System für das Entwicklungsteam anschaffen, um zu sehen, was es bringt.


AMD zeigt, wo der Hammer hängt

Achtung beim Server-Kauf

AMD ist nicht ganz auf der falschen Fährte, wenn die Firma behauptet, dass Intels Clovertown nicht wirklich ein Quad-Core Prozessor ist, sondern aus zwei zweikernigen Einheiten besteht, die nur zusammengefügt wurden.

Das wiederum heißt, dass die Anbieter und Nutzer in nur ein paar wenigen Monaten sich wieder zu einer Kosten-Nutzen-Rechnung genötigt sehen werden – wenn die “echten” vierkernigen Geräte auf den Markt kommen.

Letztendlich verursacht Intel sowohl den Server-Herstellern als auch deren Kunden eine Menge Unannehmlichkeiten. So kann AMD öffentlich zeigen, wo der Hammer hängt. Fragt sich nur, wer das lustig findet.