Minority Report heute: Datenbank sagt Verbrechen voraus

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Es war nicht eben Spielbergs bester Film. Die Wirklichkeit aber sieht voraussichtlich nicht viel besser aus.

Die Idee hatte der ebenso durchgeknallte wie geniale Science-Fiction-Autor Philip. K Dick schon vor Jahrzehnten: Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verbrechen mit technischen Mitteln zu berechnen und den späteren Täter noch vor dem Ereignis an seiner Tat zu hindern. Was der Traum eines Polizisten und der Albtraum vom allwissenden Polizeistaat zugleich wäre – und außerdem noch einen Film mit einem ungemein hölzern agierenden Tom Cruise hervorbrachte.
Die tapferen Engländer wollen nun als erste sowohl Orwell als auch Dick in ihrem Alltagsleben umsetzen. Seit Monaten setzen fünf Londoner Bezirke das ehrgeizige Projekt versuchsweise um. Geschulte Profiler sollen eine Liste der 100 gefährlichsten Mörder und Vergewaltiger – nein, nicht der Gegenwart, sondern der Zukunft erstellen.
Die umstrittene Datenbank soll von Polizei und anderen Behörden eingesetzt werden, um sich dieser Personen anzunehmen, bevor sie ein schweres Verbrechen ausführen können.
Der Soham-Mörder Ian Huntley und der Serienvergewaltiger Richard Baker werden als Musterbeispiel der Personen genommen, die die Polizei identifizieren will. Experten der “Homicide Prevention Unit” der Metropolitan Police erstellen psychologische Profile von wahrscheinlichen Gesetzesbrechern, um die Muster kriminellen Verhaltens vorher zu sagen. Aussagen früherer Partner, Informationen von Mitarbeitern des Gesundheitswesens, die sich mit psychischen Störungen befassen, Einzelheiten über frühere Anklagen und mehr sollen kombiniert werden, um diejenigen Männer zu identifizieren, die mit grösster Wahrscheinlichkeit schwere und gewaltsame Verbrechen begehen.
Laut Kriminalpsychologin Laura Richards, die für das Team arbeitet, solle dann entschieden werden, ob die Polizei eine Verhaftung vornimmt oder Sozialdienste eingeschaltet werden, um die Betroffenen durch entsprechende Programme von ihrem bösen Tun abzubringen.
Datenschützer Simon Davies von Privacy International ist noch nicht überzeugt vom treusorgenden Polizeistaat. Er hält zwar für ganz sinnvoll, dass die Polizei sich Informationen über mutmaßliche Kriminelle beschafft, hält aber eine Liste der potenziellen “Verbrecheridole” für jenseits von Gut und Böse:
“Die Polizei verschiebt systematisch die Grenzen, innerhalb derer sie ihre Macht ausüben kann. Das Minority-Report-Syndrom treibt die Grenzen der Verbrechensverhinderung mitten in die Gesellschaft hinein.” (Redaktion Inquirer/bk)

Linq

The Times

Minority Report (Rezension)

Philip K. Dick (Fan-Site)

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