Die INQ-Hitliste der fünf größten Fehler von Novell

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Früher hätte Novell Microsoft einfach in die Tasche stecken können. Heute würgt die einst stolze Firma an einer hinterhältigen Patentvereinbarung mit den Borg. Wie konnte es dazu kommen?

Wir hörten einmal von einem Mann, der eine ganze Serie von unglücklichen Ereignissen in seinem Leben wegstecken musste. Er hatte einen furchtbaren Job, den er hasste. Seine Frau hatte ihn verlassen und mit seinem besten Freund betrogen. In sein Haus war mehrfach eingebrochen worden, und er selbst war zweimal vom Blitz getroffen worden.
Eines Tages gewann er in der Lotterie, gab seinen Job auf, tat sich mit einem wunderschönen jungen Mädchen zusammen und schob jeden Abend sein bevorzugtes Essen aus dem indischen Imbiss um die Ecke rein, während er seine Aufmerksamkeit einem 40-Zoll-Fernseher widmete.
Ein paar Monate später starb er an einem Herzanfall, der durch seine fette Diät und seinen trägen Lebensstil ausgelöst wurde – das einzige bisschen scheinbaren Glücks in seinem Leben hatte ihn umgebracht.

Wenn man über die Novell-Microsoft-Beziehung liest, kann man leicht an diesen unglücklichen Kerl denken. Wie konnte ein so vergoldeter Deal, der Novell einige hundert Millionen Dollar einbrachte, so schnell zur Zitrone werden? Doch wer die Geschichte von Novell schon einige Zeit verfolgt, dem kommt das in Anbetracht der alchemistischen Fähigkeit dieser Firma, Gold in Dreck zu verwandeln, ziemlich bekannt vor. Das war jetzt aber nur eine Geschichte mit ein paar Umwegen und eigentlich gar nicht unbedingt erforderlich, um die Hitliste der fünf größten Novell-Fehler anzusagen:

5. Keine Fusion mit Lotus. Vor mehr als einem Jahrzehnt hatte das hübsche Paar schon das Aufgebot bestellt. Kurz vor der kirchlichen Trauung und den Flitterwochen wurde die Heirat abgeblasen. Eigentlich ziemlich schade, denn die Kombination des dominierenden Netzwerk-Betriebssystems mit starken Arbeitsanwendungen und den beiden besten Groupware-Programmen auf dem Markt hätte ein echter Sieger sein können. Seither wurde Novell mit so ziemlich jedem von IBM bis Sun in Verbindung gebracht, blieb aber solo. Gerüchteweise soll der Deal an Glaubensgrundsätzen gescheitert sein. Lotus jedenfalls war nicht so religiös.

4. NetWare Lite. Windows for Workgroups kam gut ins Geschäft, daher wollte sich Novell in diesem Bereich auch einmischen, ohne seine fette Melkkuh zu beeinträchtigen. Novell kochte daher alles Gute aus Netware heraus und bot es als Diätvariante an. Es war nur niemand beeindruckt.

3. Ständig wechselnde Strategien. Novell ist die Nummer eins der Netzwerk-Betriebssysteme. Nein, es ist der Software-Laden, der alles hat. Nein, es geht um Verzeichnisse. Halt mal, es ist eine Firma für Netzwerk-Management. Nein, es ist eine Sicherheits-Firma. Das Unternehmen bietet vor allem Dienstleistungen an. Es stellt eine offene Computer-Plattform bereit. Moment mal, das war doch am Donnerstag …

2. Die Übernahme von Digital Research. Novell hatte das führende Netzwerk-Betriebssystem, aber sie wollten auch den Desktop haben. DR-DOS war bei den Geeks beliebt, doch sein Stern war bereits im Sinken, während die Karawane weiter zog zu Windows 3.0, das – ganz große Überraschung! – besser mit MS-DOS funktionierte. Ohne klare Strategie machte Novell nie viel mit dem Desktop, versucht es aber heute wieder mit Suse Linux.

1. Der Kauf von WordPerfect. WordPerfect gehörte die Killer-Textverarbeitung gleichen Namens, ein ausgezeichnetes Groupware-Produkt und dazu noch ein paar brauchbare Anwendungen für Tabellenkalkulation, Präsentation und Datenbankverwaltung. In einem Anfall von Gates-Neid kaufte Ray Noorda seine Nachbarn in Utah für über eine halbe Milliarde Dollar und positionierte seine Firma gegen Microsoft. Doch Microsoft war schon wesentlich größer, und die Windows-Ausführungen von WordPerfect kamen nicht mehr an die einstige Stärke unter DOS heran. Es sollte nicht lange dauern, bis Novell WordPerfect zum absoluten Schleuderpreis an Corel abstieß. (Martin Veitch/bk)

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Novell: Linux gehört doch nicht Microsoft