Schavan: Waffenkäufe verhindern statt Computerspiele verbieten

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Endlich ist auch eine berichtenswerte Politikerstimme nach dem schulischen Amoklauf in Emsdetten zu vermelden. Eine Vertreterin dieser Zunft hat es geschafft, erst nachzudenken und dann zu reden.

Die Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist gebildet genug, nicht Kollegen wie dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) nachzuplappern und sofort alle Schuld den “Killerspielen” zu geben, um gleich wieder Verbote zu fordern.
Erstmal hat sie die Binsenweisheit klar erkannt, dass gewaltsame Massaker stets mit Hilfe von Waffen geschehen. “Es darf nicht möglich sein, dass ein 18-jähriger so einfach Waffen bekommen kann”, sagte sie der Berliner Zeitung. Nach dem Schulmassaker in einem Erfurter Gymnasium vor vier Jahren hätten zwar viele verschärfte Waffengesetze gefordert. Dann sei aber wenig passiert, und das müsse “jetzt dringend nachgeholt werden”.
Die von ihren berufsständischen Kollegen besonders in Niedersachsen und Bayern lautstark geforderten “Killerspiel”-Verbote hält sie für gar nicht machbar: “Es wäre schön, wenn man Gewaltvideos einfach verbieten könnte.” Da es nicht machbar wäre, bleibe “nur der komplizierte Weg: Die Gesellschaft muss mehr am Leben von Kindern und Jugendlichen teilhaben, damit die nicht in eine ganz andere Welt abdriften.”
Die oberste Grüne Claudia Roth ist ebenfalls nicht mehr so grün hinter den Ohren und hat klar erkannt, dass ein Verbot gar nicht durchsetzbar ist. Das wären dann schon zwei, die nachgedacht haben.
Verbal einig sind eigentlich fast alle quer durch die Parteien – so Stimmen von Union über FDP bis Linkspartei -, dass der Handel mit gefährlichen Waffen unterbunden werden müsse.
Und was werden wir nach dem nächsten Amoklauf zu hören bekommen? (bk)

Berliner Zeitung