Oracle-Unternehmenssoftware: Kuddelmuddel oder klare Strategie?
Oracle: “Wir können die Akquisitionen gut verkraften”

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Oracle hat in den letzten zwölf Monaten nicht weniger als 16 Firmen übernommen. Über die Auswirkungen dieser Expansionsstrategie auf Partner und Kunden sprach It im Unternehmen mit Jürgen Kunz, Geschäftsführer Oracle Deutschland.

Oracle erweitert “Angebotsbreite”

Oracle-Unternehmenssoftware: Kuddelmuddel oder klare Strategie?

IT im Unternehmen: Sie haben in letzter Zeit stark zugekauft. Wie verkraften Sie das?

Kunz: Wir haben einen Standardprozess mit einem integrierten Backoffice geschaffen, um Akquisitionen schnell abzuschließen und die neuen Kollegen gut zu integrieren. Wir sind zu einem Haus mit mehreren Türen geworden und sorgen dafür, dass sich die neuen Mitarbeiter, die zum größten Teil am Ort geblieben sind, wohl fühlen und motiviert sind. Analysten bewerten unsere Integrationsstrategie sehr positiv, wir können das gut verkraften.

IT im Unternehmen: Allerdings verwirren die zahlreichen neuen Produkte sowohl Ihre Partner als auch Ihre Kunden. Wie wollen Sie hier für mehr Durchblick sorgen?

Kunz: Wir müssen unser Leistungsportfolio transparenter darstellen. Für unsere Partner bieten wir zusätzliche Trainings an, wobei uns unsere Distributoren mit eigenen Schulungsangeboten unterstützen.

IT im Unternehmen: Ja, aber in welche Richtung entwickeln sich nun Ihre Produkte wirklich?

Kunz: Die Breite unseres Angebotes hat sich wesentlich erweitert. Wir werden stärker im Bereich Business Intelligence, vor allem mit Siebel Ananlytics, und bei Content Management Systemen (durch den Erwerb von Stellent) sowie bei Security. Auf der Applikationsebene haben wir unser Portfolio modular erweitert. Bei den verschiedenen Anwendungen von Peoplesoft, J..D. Edwards, Siebel und Oracle selbst bieten wir unseren Kunden Investitionsschutz und haben uns klar dazu verpflichtet, jeweils neue Versionen der Software zu entwickeln, bevor sie im Jahr 2008 im Rahmen der “Fusion-Strategie” zusammengeführt werden.


Hehre Ziele: Kundendienst statt neue Technik

Oracle-Unternehmenssoftware: Kuddelmuddel oder klare Strategie?

IT im Unternehmen: Sie wollen jetzt auch Support für Red Hat Linux anbieten. Haben Sie dafür überhaupt genügend interne Kapazität?

Kunz: Wir bieten schon seit Jahren Linux-Support an. Wir haben ausreichende Kapazitäten, es ist für uns keine Herausforderung. Unser CEO Larry Ellison hat sich ja im vergangenen Jahr öffentlich die Frage gestellt, ob Zukäufe bei Linux sinnvoll wären. Nun haben wir uns gegen eine Akquisition entschieden und bieten statt dessen Red-Hat-Support zu einem attraktiven Preis und mit hoher Qualität. Unser Konzept heißt: “Support follows the sun”, das heißt, für jede Arbeitszeit dieser Erde haben wir ein Team parat.

IT im Unternehmen: Schöne neue Software-Welt, wenn auch eine große – doch welche Wünsche hören Sie von Ihren Großkunden?

Kunz: Unsere großen Kunden haben oft eine komplexe IT-Landschaft mit zahlreichen Altanwendungen. Sie benötigen eine Business-Process-Strategie, die modular und flexibel ist. Sie benötigen Hilfe bei Migrationen und verlangen von uns, dass wir nicht die Technologie treiben, sondern ihnen helfen, ihre Geschäftsprozesse zu optimieren.


Datenbanbkriese will SAP Kunden abjagen

Oracle-Unternehmenssoftware: Kuddelmuddel oder klare Strategie?

IT im Unternehmen: Wie wollen Sie im deutschen Mittelstand punkten?

Kunz: Wir haben eine eigene Mittelstandsorganisation gegründet, um uns gezielt auf diese Klientel einzustellen. Dabei werden wir stark Partnerlösungen einbinden, die auf die Bedürfnisse von einzelnen Branchen zugeschnitten sind. Unsere ISV- und Systemhaus-Partner können uns darüber hinaus dabei helfen, gezielt mittelständische Kunden anzugehen.

IT im Unternehmen: Welche Schwerpunkte werden Sie im nächsten Jahr setzen?

Kunz: Wir fokussieren uns auf drei Bereiche. Zunächst sind wir die Nummer Eins bei Datenbanken. Wir müssen klar machen, dass Datenbanken keine Selbstverständlichkeit sind, sondern es noch erhebliche Möglichkeiten gibt, zu wachsen und mehr Leistung herauszuholen.

In der Middleware müssen wir den Kunden klar machen, dass sie keine vier Plattformen benötigen, sondern alle ihre Bedürfnisse mit Oracle abdecken können. Schließlich können wir gerade im deutschen Markt unsere Applikationen noch sehr viel besser platzieren. Es gibt eine große Zahl von Kunden, die mit SAP unzufrieden sind und sich unsere Lösung sehr genau ansehen.

Alle drei Punkte sind für die deutsche Oracle GmbH gleich wichtig.

IT im Unternehmen: Wächst die Investitionsbereitschaft Ihrer Kunden?

Kunz: Es gibt ja klare Anzeichen, dass die Wirtschaft wieder wächst. Es bleibt aber abzuwarten, ob sich das auch in der Investitionsbereitschaft wiederspiegelt. Wir sehen jedenfalls optimistisch in die Zukunft und sehen uns mit unserem Portfolio bestens gerüstet. .