Siemens: Schmiergeld-Millionen jetzt schon dreistellig

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Die Nachrichten über die schmutzigen Millionen des Siemens-Konzerns überschlagen sich. Die Spur des Geldes führt in die Karibik und zurück.

Ein Münchner Nachrichtenmagazin meldet vorab, am Montag mehr über die inzwischen gut dreistelligen Millionen verraten zu wollen, von der die Ermittlungsbehörden inzwischen ausgehen. In Österreich wurden 60 Millionen Euro eingefroren. Auf dem Konto eines Siemens-Managers in Griechenland wurden weitere 40 Millionen Euro gefunden. Die Jagd nach den global und mit Schwarzgeld-Methoden verschobenen Millionen wird die Summe also deutlich erhöhen, soweit das Geld noch auffindbar ist.
Siemens behauptet, jetzt erste Konsequenzen ziehen zu wollen. Man wolle die internen Kontrollsysteme auf Lücken überprüfen und ein Anwaltsbüro als Ombudsmann fungieren lassen, dem gewissensgeplagte Mitarbeiter gefahrlos beichten können. Das aber ist mehr als scheinheilig, denn wie ein Hamburger Nachrichtenmagazin ebenfalls vermeldet, am Montag melden zu wollen, wusste Siemens bereits seit fast einem Jahr von den Korruptionsvorwürfen, ohne etwas zu unternehmen. Dieses Versäumnis mussten daher über 270 Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder ausbügeln mit einer Razzia in der Siemens-Zentrale und 30 weiteren Siemens-Läden.
Die Süddeutsche Zeitung war auch näher dran und folgte der Spur des Geldes bis auf die karibischen Virgin Islands zu ominösen Handelsfirmen, bei deren Namenswahl wie etwa “Eagle Invest” die Siemens-Manager mal richtig viel Phantasie entwickelten. Zwischenstationen waren unter anderem amerikanische Beraterfirmen namens Weavind und Prom Export sowie eine österreichische Krhoma Handels GmbH. Von dort ging es vermutlich über Offshore-Firmen retour zu Schweizer Banken.
Im Mittelpunkt des undurchsichtigen Finanzsystems, das angeblich für Schmiergeldzahlungen in aller Welt eingerichtet wurde, stand ausgerechnet die Siemens-Sparte Com, die weltweit Datennetze aufbaut und ganze Staaten verkabelt. Sie gilt als “Konzern im Konzern” mit einem Jahresumsatz von 87 Milliarden Euro.
Auch der heutige Konzernchef Klaus Kleinfeld wird Fragen der Staatsanwälte zu beantworten haben. Er betreute bei Siemens 2004 das Kommunikationsgeschäft und war für die von den Ermittlungen betroffene Festnetzsparte zuständig.
Die beste Meldung aber lautet: Das selbst beschmutzte Geld stinkt den Siemens-Managern inzwischen so sehr, dass sie es gar nicht mehr haben wollen. Allerdings sitzen fünf von ihnen inzwischen auch hinter Gittern. (bk)

Focus (Vorabmeldung)
Spiegel (Vorabmeldung)
SZ (karibisch)