Erster Eindruck von Vista in der MSDN-RTM-Version

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Wen die angekündigten Horrorpreise für die deutschen Updates noch nicht abgetörnt haben, der kann sich zumindest über den guten Eindruck freuen, den das fertige Vista beim ersten Antesten hinterließ.

Ein befreundeter Entwickler war so nett und gestattete uns, auf seinem System mit dem von Microsoft über das Wochenende verteilten Windows Vista in der RTM-Version zu arbeiten. Bis Microsoft testfähige Kopien mit der Schneckenpost schickt, könnten wir ja lange warten.
Wir müssen doch zugeben, dass wir beeindruckt sind. Vista hat sich um einiges gebessert seit Release Candidate 2. Es wurde verfeinert, schneller, und es gefällt auch dem Auge.
Es lässt sich schwer bestimmen, um wie viel sich Geschwindigkeit und Reaktionsfreudigkeit gegenüber den vorhergehenden Betas verbessert haben. Vista war unglaublich zäh mit weniger als 2 GB RAM, jetzt gleitet es mit der Hälfte an Arbeitsspeicher mühelos von einer Anwendung zur nächsten, ohne dabei ständig auf eine rödelnde Festplatte auszulagern.
Die User Account Control (UAC) ist noch immer da. Sie ist extrem lästig, und vernünftige Benutzer werden sie schnellstens abschalten, sofern sie sie in der überfrachteten Systemsteuerung aufspüren können. Wir nehmen an, sie wird bei der nächsten Reinkarnation von Vista / Windows wieder verschwinden.
Die Installation verlief viel reibungsloser als bei den Betas. Auf einem nVidia-basierten SATA-RAID-System pickte sich Vista zum ersten Mal automatisch die richtigen Treiber heraus, ohne dass der Benutzer Festlegungen zu treffen hatte. Lediglich die Audigy-Treiber auf dem Testrechner wurden nicht gefunden, und wir mussten auf die RC1-verträglichen Treiber von Creative zurückgreifen.
Die Bootzeit erinnerte an Windows XP. Der Test-PC (Athlon64-3200, 1 GB RAM) startete in weniger als 30 Sekunden, während RC1 / RC2 sich noch wesentlich länger zu mühen hatten.
Einige Unzulänglichkeiten sind noch immer vorhanden. Die Benutzeroberfläche ist teilweise inkonsistent. Dass die Symbole für die Nach-oben-Navigation in den Ordner-Ansichten entfernt wurden, irritiert ungemein, wird als alles andere als intuitiv empfunden und weicht von dem ab, was man mit früheren Versionen von Windows eingeübt hat.
Die kleineren Symbole für Task-Tray und Schnellstartleiste sind noch immer wenig aussagekräftig. Das hätten die Usability-Tester aber wirklich herausfinden können.
Die Vista-Geräusche gehen dafür in Ordnung. Sie sind nicht zu übertrieben und nicht zu lang, auf jeden Fall bei weitem nicht so ärgerlich wie die Audio-Beigaben der früheren Windows-Versionen.
Trotz dieser kleinlichen Nörgeleien: Vista ist weit gekommen seit den frühen Betas. Selbst Versionen von vor wenigen Wochen werden deutlich übertroffen durch die ausgefeilte Performance des endgültigen Betriebssystems. Es bleibt natürlich anzumerken, dass diese Bewertung zunächst nur auf dem subjektiven Eindruck von der Systemleistung beruht und nicht auf Messergebnissen.
Trotz des netten Eindrucks und der ordentlichen Leistung hat Vista letztlich wenig zu bieten. Sowohl Windows Media Player 11 als auch Internet Explorer 7 sind für Windows XP herabladbar. Die meisten der nützlichen Funktionen für Vista gingen schon lange über Bord. Vista fühlt sich an wie XP mit einer netteren Oberfläche und einer Seitenleiste, die leider mehr vom kostbaren Arbeitsspeicher verzehren.
Da es die nächste Version von DirectX nur für Vista geben soll, wird der Umstieg für viele dennoch zwingend sein.
Weitere Analysen und Benchmarks sind in dieser Woche im INQ zu erwarten. (Dean Pullen/bk)

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