Gefährliche Netzwerk-Fakes
Original und Fälschung: Genau hinschauen ist angesagt

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Fälscher von Netzwerkkomponenten zocken ab – beim Kunden und beim Anbieter.

“Rolox” und “Cusco”

Gefährliche Netzwerk-Fakes

Neulich brachte ein Freund von mir seine Uhr zum Uhrmacher, der ihm eröffnete, dass seine teuer aussehende Uhr eine billige Fälschung sei. Der Schock hielt sich in Grenzen, denn die Uhr hatte nur ein paar Euro gekostet, und wenn man genau hinsah, konnte man auf dem Ziffernblatt den Namen “Rolox” erkennen.

Wir sind schon mehr oder weniger daran gewohnt, bei Markennamen gelinkt zu werden. Aber leider passiert das nicht nur bei Uhren, Handtaschen und Bodytrainern, auch Hardware bleibt leider nicht verschont.

Die Betriebsprüfer von KPMG schätzen, dass mindestens eines von 10 IT-Produkten eine Fälschung ist – was die Industrie eine runde Summe von 100 Milliarden Euro im Jahr kostet. Und genau wie auch bei den Verbrauchsgütern sind auch hier die großen Namen am stärksten betroffen: Vor allem Cisco-Fakes sind schon fast an der Tagesordnung.

Gefälschte Netzwerkhardware tauchte zum ersten Mal vor ein paar Jahren auf. Damals machten Cisco und andere Anbieter skrupellose Wiederverkäufer dafür verantwortlich und schworen, jedem einen Denkzettel zu verpassen, bei dem entsprechende Ware über den Ladentisch ging. Inzwischen hat das Problem aber ganz andere Maße angenommen. Die Ursache dafür wird mit dem wachsenden Trend erklärt, die Herstellung in den Fernen Osten und nach China zu verlagern.


So kommt es zur Fälschung

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Das Szenario ist hinlänglich bekannt: Ein großer Netzwerk-Anbieter wie Cisco verlegt seine Produktionsgeschäfte nach China, um Herstellungskosten einzusparen. Die daraus resultierenden niedrigeren Preise führen dazu, dass mehr verkauft wird – ein doppelter Gewinn für Kunden und Anbieter gleichermaßen. Die Produktionsanlagen machen dabei auch Profit, aber bei Weitem nicht so viel, vor allem weil sie für die Produkte, die sie herstellen, Niedrigstpreise akzeptieren müssen.

Aber geistiges Eigentum ist in China bekanntlich nicht gerade gut geschützt. Sprachliche und kulturelle Unterschiede machen es zudem schwer, mit solchen Partnern so eng zusammenzuarbeiten, wie das andernfalls möglich wäre.

Also machen die Fabrikarbeiter tagsüber Bausätze mit Cisco-Marke, vielleicht sogar ohne Gewinn, und in den Nachtschichten wird versucht, das zu kompensieren, indem dieselben Bausätze mit demselben Design hergestellt und als Fälschung auf den Markt gehen.

Aber selbst wenn es dieselbe Hardware ist, die in derselben Firma hergestellt wurde, ist das fehlende Logo bei Weitem nicht alles, an was es dem gefälschten Bausatz mangelt.


Wer nicht prüft, verwirkt die Garantie

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Vor allem wird es nicht derselben Qualitätskontrolle unterzogen. Ausschussware ist für die Fälscher genauso viel wert wie einwandfreie Produkte – für sie ist es nur wichtig, dass sie erstmal wirken, als würden sie richtig arbeiten.

Die Kostenersparnisse für den Kunden lösen sich damit in Luft auf. Da Fakes neben Originalprodukten zum selben Preis auf den Markt kommen, weiß keiner, was er kauft – und erst wenn Garantieansprüche fällig werden, kommt der ganze Zauber ans Licht.

Seriöse Wiederverkäufer gewähren Garantie auf alles, was sie liefern, aber nicht alle sind eben seriös, und das Kleingedruckte in einem Vertrag ist schwer wegzudiskutieren. Und auf ein offenes Ohr beim Markeneigentümer kann man auch nicht hoffen, weil man das Produkt eben nicht bei ihm gekauft hat.

Die beste Käufer-Strategie besteht darin, nichts zu kaufen, bei dem man sich nicht ganz sicher ist. Die Devise lautet schlicht: Augen offen halten!