AMD-Interview: “Wir bleiben eine offene Plattform”

Allgemein

Seit der Chipmacher ATI geschluckt hat, kommen verwirrende Signale aus dem fusionierten Haus. Theo Valich vom INQ befragte zwei hochrangige Vertreter von AMD dazu.

Die Gesprächspartner waren zwei Technische Direktoren, auch Cheftechniker oder CTOs genannt. Phil stellte sich im Gespräch so vor:
“Meine Rolle ist die des Technischen Direktors für die jetzt vereinigte Firma. Ich arbeite als Leiter der Gruppe, die an den Strategien für die technischen Lösungen arbeitet, die wir entwickeln sollten.”

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Von der aufgekauften Seite hingegen kommt Bob:
“Ich bin jetzt ein CTO der Graphics Product Group bei AMD. Bei ATI war ich CTO für die PC Business Group. Aber nachdem AMD übernommen wurde, hat sich der Titel ein bisschen geändert. Ich arbeite aber nicht anders als zuvor.
“Die Graphics Product Group ist ziemlich unabhängig. Es liegt in unserer Verantwortung, den richtigen Fahrplan und die Rolle der Grafikprozessoren in der ganzen Produktpalette zu bestimmen. Das ganze Marktsegment dieser Produkte fächert sich auf in eigenständige Grafikprozessoren, die für den PCIe-Slot und die integrierten Chipsets, die wir im Paar sehen mit einem Prozessor von AMD oder einem anderen Hersteller. Die Ausrichtung unseres Geschäfts als Graphics Product Group hat sich kaum geändert, als wir Teil von ATI waren, und das wird auch in Zukunft so bleiben, nur dass wir den integrierten Bereich erweitern werden.”

Besonders interessant aus INQ-Sicht war natürlich die Treiberfrage.

INQ: “Das bringt uns zur Frage nach den Treibern. AMD hat sich als standhafter Unterstützer von Linux bewiesen, während viele ATI-Benutzer mit Treibern für das Linux-Betriebssystem an die Wand gefahren sind. nVidia als wichtister Wettbewerber kommt gut an in der Linux-Gemeinde, während wir immer wieder von Bittgesuchen an ATI hören, weil Treiber nicht oder unzureichend arbeiten.”

Phil: “AMD steuert die Branche in eine offene Welt. Wir gehen jetzt gemeinsam heran und setzen gezielt unsere Stärken ein, um für die Entwicklung der Branche um uns herum das Beste zu erreichen. Alle Softwareanbieter sind für uns wichtig.”

Am meisten aber interessierte uns, wie es nun tatsächlich weitergehen soll.

INQ: “Und die letzte Frage: Das AMD-Ökosystem. Das ist etwas, was die ganze Branche wissen möchte, und ich würde gern die Gerüchteproduktion in den Foren hier und jetzt beenden. Im Prinzip haben AMD und nVidia schon lange miteinander zu tun. Es gab eine Vereinbarung zwischen den beiden Firmen, das nannte sich SNAP für die strategische nVidia-AMD-Partnerschaft. Ihr habt zusammen an der ersten Xbox-Entwicklung gearbeitet, bevor euch Intel in letzter Minute ausgebootet hat. Doch dann produzierte nVidia die Enforce-Plattform und stellte sich groß in der Welt der Chipsets auf … wie seht ihr also jetzt das Ökosystem von AMD? Die Gerüchte besagen, dass AMD nVidia ausschließen will, und dass es von ATI keine High-End-Produkte mehr geben wird.”

Phil: “Wir sind eine sehr offene Plattform, und da möchte ich zwei Beispiele dafür nennen. Der PCI-Express-Bus ist ein Branchenstandard, und wir werden diesen auch weiter pflegen. Wenn jemand einen Grafikbeschleuniger von nVidia will, dann wird der auf unserer Plattform ebenso gut arbeiten wie auf einer Intel-Plattform. Wir sehen es zum anderen auch gerne, wenn ATI-Grafikkarten in Intel-Systemen Verwendung finden, und wir werden die Performance der ATI-Produkte auf anderen Plattformen weiterhin optimieren, auf denen sie so gut laufen sollten wie auf unserer eigenen. Wir riegeln also den Wettbewerb nicht ab. Wir wollen, dass alle auf der Ebene anerkannter Standards mitspielen. Also freuen wir uns über nVidia-Produkte auf unserer Maschine ebenso wie über ATI-Grafik auf einem Intel-Rechner. Es sollte alles über einen Branchenstandard laufen.
Und genau das wollen wir tun. Auf die Branche hören und neue Standards implementieren.”

Damit hätten wir also schon mal ein paar Dinge geklärt. Und hier gibt es das Original des sehr ausführlichen Interviews:

Linq Interview

(Theo Valich/bk)