Sind die Lieferengpässe gut für AMD?

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AMD hat mit höllischen Lieferengpässen zu kämpfen. Genau das aber könnte gut für den Chiphersteller sein, sagt Charlie Demerjian, seines Zeichens Cheftheoretiker des INQUIRER.

Die besten ausgefallenen Gedanken kommen einem an Orten, an denen man sie am wenigsten erwartet. Dieser hatte seine Wurzeln in einem Starbucks-Café am Times Square. Charlie und ein Analyst unterhielten sich bei einem Espresso und einer bösartigen, erdbeerig-Milchshake-ähnlichen Kreation.
Der Analyst lamentierte darüber, dass AMD es bei dieser brutalen Kapazitätsauslastung niemals schaffen könnte, seine Zahlen zu verbessern. Charlie hingegen kam zur Einschätzung, dass es für AMD gerade dadurch besser laufen könnte.
Zum einen hören wir, dass AMD den Produktmix in Richtung auf die gewinnbringenderen Teile verlagert, insbesondere Turions und Opterons. Auch wenn sie nur die Stückzahl X produzieren können, so produzieren sie doch wertvollere Einheiten. Das muss nicht unbedingt eine große Überraschung bringen, aber es wird der Gewinnspanne von Quartal zu Quartal jedenfalls nicht schaden.
Dann gibt es noch die Spekulationen über einen Rückschlag des PC-Marktes, weil Vista nochmal später kommt als jemals für möglich gehalten, nämlich lange nach dem christlichen Wiegenfeste. Sollte das tatsächlich eintreten, steht AMD ebenfalls gut da, denn dann kann es wieder auf ein paar mehr billige Teile umstellen und hat immer noch die volle Kapazitätsauslastung, was gut ist für die Erträge.
Intel hingegen wirft sich jetzt in die Lücke mit preisgünstigeren, weniger gewinnträchtigen Teilen. Geht der Markt nun vielleicht um 5 Prozent zurück, verkauft AMD immer noch gleich viele – wenn auch billigere – Teile, Intel hingegen wird dann zahlenmäßig weniger Prozessoren verkaufen. AMD wäre von einem Rückgang des Marktes also nur mäßig betroffen, Intel hingegen stärker.
Den rettenden Hafen erreicht AMD in jedem Fall, wenn in der 48. Woche der Zapfhahn für die 65-nm-Fertigung eingeschlagen wird – war das jetzt nicht ein schönes Bild? Was uns dann allerdings fehlen wird, sind weitere Anlässe für unterhaltsame Berichte über verfehlte Firmenpolitik wie diesen – das wäre der wirkliche Verlust. (Charlie Demerjian/bk)

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