DRM ist tot, Plattenverlage liegen im Sterben (Kommentar)

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Peter Jenner, früherer Bandmanager bei Pink Floyd, T.Rex und The Clash, hat in England in einem Online-Interview ausgeplaudert, dass die Manager in der Musikindustrie längst den Glauben an das digitale Rechte-Management (DRM) verloren haben.

Auch im Online-Shop-Modell mit einem Dollar pro Song sehe die Musik-Industrie keinen gangbaren Ausweg. Wohin also? Jenner glaubt, dass der Druck auf die Regierungen erhöht würde, noch stärkere Kopier- und Urheberrechtsschutz-Gesetze zu erlassen. Er sieht Heerscharen von Anwälten, die per teuren Exempeln den Druck auf den Verbraucher weiter erhöhen würden, um die Konsumenten zurück zum Platten/CD-Kauf zu bewegen.
Soweit die Meinung von Peter Jenner, der seine besten Tage wohl auch hinter sich haben dürfte. Letztlich ist die Büchse der Pandorra aber längst geöffnet: Dank der Digitalisierung braucht der Konsument nicht mehr seinen CD-Player und die teure, zu Tode kopiergeschützte Plastikscheibe. Auch nicht als Audio-DVD oder Audio-HD. Viele Konsumenten haben sich längst emanzipiert von der Musikindustrie, jubeln per YouTube ein Duo wie Gnarls Barkley an die Hitparaden-Spitze und wollen bestimmt nicht reihenweise ihre Player und Festplatten fremdkontrollieren lassen.
Den Sound-Geist kriegen die Plattenverlage also nicht mehr in die Flasche des Tonträgers zurück. Damit ist deren Business-Modell im Prinzip zum Sterben verurteilt, der klassische Plattenladen in ein paar Jahren wohl nur noch eine Nischenerscheinung für Freaks.
DRM funktioniert nicht, weil sich die Branche nicht auf einen einzigen Standard einigen konnte. Proteste (siehe gegen Apple) und das fröhliche Umgehen von inkompatiblen Schutzmaßnahmen sind die Folge. Hardware-Player mit eingebautem DRM-Schutz sind zwar in Arbeit, dürften sich aber kaum je durchsetzen. Wer seine gesamte Musik bereits auf diversen Platten und Flash-Speichern hat, braucht keinen Player mehr – nie wieder!
Der Musikindustrie wird meiner Meinung nach nichts anderes übrig bleiben als sich ein völlig neues Geschäftsmodell auszudenken (ja, das tut weh!). Ein Lichtblick sind zum Beispiel Konzerttourneen, denn die Live-Auftritte der Stars lassen sich durch Nichts ersetzen – und spielen eine Mörderkohle ein. Oder man macht es wie bei der DVD: Extreme Sonder-Editionen von Tonträgern mit Material, das man sonst so nicht bekommt. Und grundsätzlich mitsamt Videoclips. So weckt man Begehrlichkeiten. (rm)

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