Novell-Microsoft-Deal inkompatibel mit der GPL?

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Die gegenseitige Patent-Lizenzierung zwischen Microsoft und Novell verstößt gegen die verbreitete Open-Source-Lizenz GPL. Das erklärte Jura-Professor und Open-Source-Aktivist Eben Moglen im Gespräch mit VNUnet.

Abschnitt sieben der gegenwärtig gültigen General Public Licence (GPL2) verbietet einzelnen oder Firmen die Weitergabe von GPL-Code, wenn sie sich auf Vereinbarungen eingelassen haben, die den Bedingungen der Lizenz widersprechen:
“Wenn die Weitergabe nicht so möglich ist, dass Sie Ihrer Verpflichtung unter dieser Lizenz und anderen anzuwendenden Verpflichtungen nachkommen können, dann hat das zur Folge, dass Sie dieses Programm nicht verbreiten dürfen.”
Moglen fordert Novell im Interview mit VNUnet auf, zu erklären, wie sie im einzelnen die Erfüllung der GPL sicherstellen wollen, während sie zugleich die Lizenzvereinbarung mit Micorosoft einzuhalten haben: “Sie müssen eindeutig bejahend darlegen, dass ihre Vereinbarung mit Microsoft nicht die Freiheiten beeinträchtigt, von denen die GPL verlangt, dass sie sie weiterreichen können.”
Bruce Lowry, Sprecher von Novell, bestritt gegenüber VNUnet mögliche Verstöße. Er erklärte, der Pakt mit Microsoft sei unter Berücksichtigung der Prinzipien und Verpflichtungen der GPL geschmiedet worden.
Da sitzt Moglen aber vielleicht am längeren Hebel. Denn selbst wenn der Deal unter der gegenwärtigen GPL noch durchkommen sollte, wird er nicht den Anforderungen der kommenden GPL3 entsprechen – und zu deren Autoren gehört unter anderem Eben Moglen. Zwar wird der Linux-Kernel unter GPL2 bleiben, doch viele der Anwendungen, die auch Novell mit Suse Linux ausliefert, werden zur GPL3 wechseln.
Moglen hält den BorgNovo-Pakt ohnehin nur für die unnötige Lebensverlängerung eines gescheiterten Geschäftsmodells, das auf proprietärem Programmcode beruht: “Die richtige Antwort an Microsoft lautet: ‘Eure Patente sind wertlos. Geht weg.'” (Tom Sanders/bk)

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