Abmahnwelle: Media-Markt ballert gegen Online-Shops

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Mit Abmahnungen und Klagen überziehen die Media-Märkte die unliebsame Konkurrenz im Internet. Gehen die eigenen Geschäfte so schlecht?

Von rund tausend Fällen berichtet ein Kölner Anwalt, der Dutzende von betroffenen Firmen vertritt: “Manche Mandanten erhalten fünf Abmahnungen von drei verschiedenen Media-Märkten. Steinhöfel zieht nomadisierend durch die Republik, zu den Gerichten, wo er den größten Erfolg und die höchsten Streitwerte vermutet.”
Das und mehr über das juristische Sperrfeuer der zum Metro-Konzern gehörenden Media-Saturn-Holding berichtet heute die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.
Der erwähnte Steinhöfel, der sich auch schon in einem früheren Leben als TV-Moderator gern als echter Kotzbrocken gab, vertritt als Anwalt offiziell nur die einzelnen Fachmärkte des Konzerns. Denn mit offiziellen Konzernauftrag wäre leichter zu beweisen, dass es sich um eine gezielte “Konzernsalve” gegen unliebsame Konkurrenz handelt – das aber wäre eindeutig mißbräuchlich und brächte ihm selbst den verdienten juristischen Ärger ein.
“Die versuchen den Wettbewerb mit dem Wettbewerbsrecht zu zerstören”, beklagt sich Joachim Ehmann vom Internet-Shop Comtech vergeblich, denn das ist alles rechtens und gar nicht so unüblich.
Meist sind es Kleinigkeiten wie der falsch gesetzte Spiegelstrich bei der Auflistung der Produkteigenschaften für ein Siemens-Telefon auf einer Homepage, für die der feine Herr Steinhöfel einen Streitwert von 51.000 Euro ansetzt. Wenn er verliert, geht er fast immer in Berufung und macht den Konkurrenten noch mehr Stress.
Nach Ansicht von Carsten Föhlisch, dem Justiziar von “Trusted Shops”, geht es den Media-Märkten um Marktbereinigung. Von den 1600 Internethändlern, die über das Gütesiegel der “Trusted Shops” verfügen, werden mehrere hundert “von den Media-Märkten mit bösartigen Methoden verfolgt”.
Und warum das alles? Die Werbung der Media-Märkte, in der Steinhöfel auch gerne selbst auftritt, überzeugt offenbar immer weniger. Der “Tiefpreis-Bluff” wurde erkannt, und die nur “ausreichende” Beratung fiel bereits der Stiftung Warentest auf. (bk)

F.A.S.