Großbritannien und der Große Bruder

Allgemein

Ein Engländer schrieb den Roman “1984” um einen übermächtigen Überwachungsstaat, dessen Bürger vor dem allgegenwärtigen “Big Brother” zu kuschen hatten. Seine Landsleute sind heute ganz vorne dabei, wenn es darum geht, diese Phantasien umzusetzen.

Der gemeine Engländer lässt sich täglich locker von 300 staatlichen und privaten Überwachungskameras filmen und denkt sich schon lange nichts mehr dabei, sondern fühlt sich sicher und geborgen. So bekommen die Inselbewohner schon gar nicht mehr mit, wenn heimliche Gesichtserkennungssysteme in Mauern und Laternenpfosten lauern. Wie Schlafwandler bewegen sie sich in den Überwachungsstaat, den George Orwell schon vor Jahrzehnten kommen sah. Sie halten “Big Brother” nur noch für TV-Unterhaltung.
Für besonders bedrohlich halten britische Datenschützer, dass die Überwachungstechniken immer alltäglicher und allgegenwärtiger werden, ebenso unsichtbar wie subtil. Die Autoren des Berichts “A Surveillance Society” warnen daher ihre Mitbürger vor ihrer Sorglosigkeit:
“Das Ausmaß der Überwachung in diesem Land sollte die Menschen schockieren – sie durchdringt alles, was wir tun. Die Frage ist, ob wir das wollen oder nicht.”
Die britische Tageszeitung “The Independent” zumindest war noch unabhängig genug, um die wesentlichen Erkenntnisse der Studie zu veröffentlichen. Und unsere Kollegen vom britischen Inquirer haben auch noch nicht den Durchblick verloren – sie zählen ihre eigenen Mitbürger zu den “am meisten ausgeschnüffelten Bewohnern dieses Planeten”. (bk)

Linq
The Independent