Tsunami-Warner im PC
P2P-Tsunami-Ente?

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Gewöhnliche PC-Festplatten könnten als Tsunami-Sensor dienen. Mit dieser kuriosen Idee will ein österreichischer Programmierer teuren Warnsystemen Konkurrenz machen.

Idealer Tsunami-Sensor

Tsunami-Warner im PC

Computerfestplatten sind erschütterungsempfindlich. Ein herunterfallender Gegenstand, ein versehentlicher kleiner Stoß am PC und schon reagieren die Schreib-Leseköpfe. Das wäre doch eigentlich der ideale Tsunami-Sensor!

Auf diesem Geistesblitz hat der österreichische Programmierer Michael Stadler das Programm Tsunami Harddisk Detector aufgebaut. Die Software analysiert das Verhalten der Schreib-Leseköpfe. Diese bewegen sich in nur 20 Nanometern Abstand zum Datenträger und registrieren daher auch feinste Erschütterungen.

Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist zwischen 0,04 und 0,1 mm dick, das entspricht immerhin 40 000 – 100 000 Nanometern. Selbst bei für Menschen kaum wahrnehmbaren seismischen Stößen muss die Festplatte den Schreib-Lesekopf neu positionieren und meldet dabei ein Position Error Signal (PES) an den Computer.


5000 vernetzte PCs

Tsunami-Warner im PC

Doch ein PC allein genügt nicht als Erdbeben-Warner. Das Warnsystem könnte nur funktionieren, wenn viele andere Rechner an unterschiedlichen Aufstellungsorten mit der gleichen Software arbeiten. Ähnlich wie bei dem berühmten Grid-Computing-Projekt SETI@home wären hier die brachliegenden Systemressourcen von ans Internet angeschlossenen Rechnern zusammengeschaltet. Doch anders als bei SETI@home soll die vereinte Rechenpower keine Außerirdischen aufspüren, sondern Flutwellen. Aus allen PES-Daten der angeschlossenen Rechner versucht die Software zu ermitteln, ob es sich um normale Erschütterungen handelt oder den Vorboten einer Flutwelle. Da dieses System keine Sensoren im Meer hat, kann man allerdings nur die Wahrscheinlichkeit einer Flutwelle berechnen, es fehlen Daten zur tatsächlichen Wellenhöhe.

Experten schätzen, dass man für eine ernstzunehmende Tsunamiwarnung 5000 vernetzte Rechner benötigt. Spätestens die verheerende Flutkatastrophe im Dezember 2004 im Indischen Ozean hat gezeigt, dass es in vielen Gebieten kein funktionierendes Warnsystem gibt. Eine bestehende Infrastruktur zur Tsunami-Früherkennung gibt es im hochgradig gefährdeten südostasiatischen Raum bis heute nicht. In Indonesien ist ein 50 Millionen Euro teures Alarmsystem des Geoforschungszentrums Potsdam im Bau. Es soll erst 2008 betriebsbereit sein und beschränkt sich auf Indonesien.


Noch nicht ausgereift

Tsunami-Warner im PC

Von PCpro befragte Experten sind skeptisch, ob Stadlers Tsunami-Software funktionieren kann. Eine potenzielle Fehlerquelle zeigt sich schon auf den ersten Blick: Die Anwender müssen in der Software von Hand den Längen- und Breitengrad ihres Standorts eintragen ? falsche Angaben sind dabei nicht auszuschließen. Neben einer Spezifikation für das PES bei Festplatten bereitet auch der hohe Ressourcenbedarf der Software den Programmierern Kopfzerbrechen. Selbst bei aktuellen PCs soll sie etwa 30 Prozent der Rechenleistung auffressen. Für eine P2P-Anwendung, die im Hintergrund läuft, ist das zu viel.

Herunterladen kann man sich das Programm bis Redaktionsschluss nicht, die Website ist »Due to excessive traffic« offline. Spötter witzeln, der Tsunami Detector falle in die Kategorie Marketing-Gag. Immerhin scheint die Bandbreite noch für einen Link zum kommerziellen Warndienst www.tsunami-alarm-system.com auszureichen. Michael Stadler räumt gegenüber PCpro ein, dass die Software noch nicht ausgereift, er aber vom Konzept überzeugt sei.


Rettung per SMS

Tsunami-Warner im PC

Sicher ist, dass www.tsunami-alarm-system.com vom Medienhype um die P2P-Software profitiert hat, schließlich wurden dadurch viele Internet-Surfer erst auf den Warndienst aufmerksam. Der SMS-Dienst wertet frei verfügbare Daten staatlicher Erdbeben-Messstationen weltweit aus und prognostiziert, wo demnächst wahrscheinlich Flutwellen auftreten werden.

Eigenen Angaben zufolge wurden seit dem Start am 30. September 2005 alle Flutwellen rechtzeitig erkannt. Die Wahrscheinlichkeit eines Fehlalarms soll bei rund 50 Prozent liegen. Für 30 Euro pro Jahr, oder 10 Euro pro Monat bekommt man Warnungen aufs Handy geschickt. Vodafone verkauft den gleichen Dienst für 5 Euro pro Monat als Reseller.