Warum kauften Sony-Bosse PSPs auf dem grauen Markt?

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Selbst die Europa-Chefs mussten ihr Sony-Spielzeug von der inzwischen von Sony geplätteten Firma Lik-Sang in Hongkong erwerben. Aber nur aus “ermittlungstechnischen” Gründen, wie sie scheinheilig gegenüber dem BBC behaupteten.

Das erscheint uns mehr als unglaubwürdig. Erstmal, warum sollte Sony eine beträchtliche Anzahl PSPs von Lik-Sang bestellen, um die Qualität der gelieferten Waren zu überprüfen, wenn dafür eine oder zwei gereicht hätten? Zweitens, warum sollten das ausgerechnet hochrangige Manager anstelle von Qualitatsprüfern oder anderen Mitarbeitern aus den unteren Rängen der Firma erledigen?
Hier passt einiges nicht zusammen. Es sieht mehr danach aus, dass auch Europas Sony-Bosse das ganz neue und glitzernde Spielzeug im Büro herumzeigen wollten, was Sony ihnen nicht gönnte – sie bekamen vielmehr gesagt, sie hätten geduldig zu warten wie wir übrigen europäischen Langnasen.
Vor ein paar Wochen gab Sonys Europa-Statthalter Jamie McDonald seinen Gemütszustand zum verschobenen Europa-Start der PS3 so wieder: “Ich war fertig. Absolut fertig. Wie jede Menge Leute hatte ich mich schon auf eine Playstation 3 unter dem Weihnachtsbaum gefreut. Aber das ist nun mal ein Privileg, das die Leute in den Vereinigten Staaten und Japan haben werden.”
Es ging ihnen ähnlich wie vielen Hardcore-Gamern mit einem Hang zum aktuellsten Spielgerät, die nur ungern warten. Was immer Sony unternimmt, wird den Export und den Import von Sony-Produkten nicht aufhalten. Wenn es diese Waren nicht mehr von Lik-Sang gibt, dann werden sie eine andere Quelle finden. Das ist schon mal klar.
Sony kann einige der größten Exporteure dieser Waren dicht machen. Aber das wird die kleinen Läden und die Ebay-Truppen nicht davon abbringen, Sonys Geräte an die Legionen von Gamern und unverwüstlichen Sony-Fans zu liefern. Das ist der Kern der Geschichte, und Sony hat die Probleme nur verschärft, indem sie Lik-Sang schließen ließen – was sie getan haben, auch wenn sie das lieber anders nennen wollen.
Die größeren, erfolgreicheren Exporteure stehen für einen Service-Standard, liefern in zugesagter Verlässlichkeit mit Zubehör, das die sichere Nutzung des importierten Produkts im Lieferland gewährleistet. Das ist genau das, was Lik-Sang geleistet hat.
Da nun eine weitere große Import-Site gefallen ist, werden immer mehr Konsumenten von kleineren Exporteuren und den Ebay-Horden kaufen. Diesen Anbietern ist die Sicherheit ihrer Kunden aber weniger wichtig. Sie verlassen sich vielmehr auf erstmalige Käufer und kümmern sich nicht weiter, wenn die Kunden unzufrieden sind oder es sogar Sicherheitsprobleme gibt.
Das Internet sorgt endlich für globalen Handel. Statt eine gut geführte Firma ins Jenseits zu befördern, sollte Sony sich mit der Produktion von Waren beschäftigen, die zur gleichen Zeit an ein weltweites Publikum geliefert werden können, statt weiter auf überholte gestaffelte Verkaufsstarts zu setzen.
Nur das kann den grauen Markt auf Dauer minimieren, und Sony kann sich auf die Produktion hochwertiger Produkte konzentrieren – und damit haben sie schon seit einiger Zeit echte Probleme. (Dean Pullen/bk)

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