Hoher “Fruchtfleischanteil” in Vista und OS X
Was haben Fruchtsäfte und Betriebssysteme gemeinsam?

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Können wir am Beispiel von Obstsäften mit “Fruchtfleischanteil” etwas über das Durcheinander in der Software-Entwicklung lernen?

Fruchtsaftindustrie als Vorbild für Sotware-Vermarkter?

Hoher “Fruchtfleischanteil” in Vista und OS X

Es muss ein wahres Genie auf dem Gebiet der Fruchtsaftindustrie geben – ich weiß nur nicht wer das ist. Aber jemand hat herausgefunden, dass die Zugabe von “Fruchtfleisch” in die Tetra-Paks eine Win-Win-Win Situation (oder: Gewinn hoch drei) zeitigte. Die kleinen unverdaulichen Zellstoffanteile im Saft zu lassen, gab den Kunden das Gefühl, dass das Getränk besser wäre, weil es eher wie frisch gepresster Orangensaft aussah.

Desgleichen entledigte man sich gleichzeitig der Entsorgung eines Abfallprodukts. Und drittens passt etwas weniger als ein voller Liter Saft in einen für einen Liter dimensionierten Getränkekarton. Wenn man dann ein paar Millionen Liter ausliefert, kommt schon eine recht ansehnliche Menge an “Fruchtfleisch” zusammen. In manchen Fällen hat man sogar ein paar kleine Fäden als Fruchtfleisch deklariert – merkt ja keiner.

Daran musste ich anlässlich des kürzlichen Konflikts zwischen meinem Kollegen Daniel Robinson und den Mac-Fans denken. Grund dafür war sein Artikel, der den Gedanken aufwarf, der Mangel an guten Eigenschaften bei Windows Vista könnte mehr Unternehmen dazu verlocken, Mac OS X zu probieren.


Aufgehübschte Relikte

Hoher “Fruchtfleischanteil” in Vista und OS X

Mir scheint, dass bei beiden Betriebssystemen der Gedanke des “Fruchtfleischanteils” in nicht unbeträchtlichem Maße vorhanden ist – viel angebliche Innovation vor allem an der Oberfläche soll die Menschen glauben machen, dass die Dinge sich gebessert haben – ohne dass wirklich viel passiert ist.

So beharren beispielsweise die Mac-Fans darauf, dass die hochauflösende Grafik Mac OS X zu einem Wunder an intuitiver Bedienbarkeit macht. Aber warum stellt das Icon für das Stammverzeichnis das Bild für eine Festplatte dar? Es ist ein Bild, das man sofort erkennt, wenn man Vergnügen daran findet, sich intensiv mit Flachbandkabeln zu beschäftigen, aber meine Mutter würde nicht wissen, was eine Festplatte ist – umso weniger, da sie wie eine längliche Metallschachtel aussieht. Damit wird der Gedanke, dass Mac OS X benutzerfreundlich ist, ad absurdum geführt – seine Ikonographie ist sogar undurchsichtiger als die von Windows.

Aber es geht mir nicht um Mac gegen Windows. Mich stört, dass sowohl Vista als auch OS X aufgehübscht sind. Der behäbige Elefant hinter den Oberflächen wird einfach ignoriert. Im Kern sind diese Geräte Relikte aus den 60er Jahren, denn sie behandeln ihre Speichermöglichkeiten noch immer wie seltene Güter.


Schlechtes Beispiel: die Speicheverwaltung

Hoher “Fruchtfleischanteil” in Vista und OS X

Um das zu verdeutlichen, braucht man nur einmal seine bevorzugte Desktop-Anwendung zu öffnen – egal welche – und ein neues Dokument erstellen, dieses aber nicht speichern. Man arbeite eine halbe Stunde an dem Dokument, schließe es – wieder ohne zu speichern. Wenn das Dialogkästchen fragt, ob man seine Arbeit speichern will, klicke man auf Nein. Dann ändere man seine Meinung bezüglich des “Neins” und hole seine Arbeit zurück.

Ungeachtet dessen, dass die Arbeit noch immer auf der Festplatte ist, sind die meisten Anwendungen weiterhin unfähig, Daten abzurufen, die in eine ungesicherte temporäre Datei eingegeben worden sind. Das wiederum ist das beste Beispiel dafür, dass die PCs von heute unter der Oberfläche noch immer Dinosaurierer sind, stecken geblieben in einem Zeitalter als das Kilobyte noch viel Geld kostete.

Heute ist Speicherkapazität billig, aber Arbeitsaufwand teuer. Betriebssysteme für Firmen-Desktops sollten deshalb anders sein als sie sind. Sie sollten viel mehr Daten darüber speichern, was der Nutzer macht und es ihm erleichtern, sich durch seine eigenen Aktivitäten nach rückwärts durchzuforsten, um an einen früheren Punkt seiner Arbeit zu gelangen – ob diese nun gespeichert war oder nicht.

Solange bei der Entwicklung von Betriebssystemen am Front-End herumgefummelt wird, werden die Unternehmen zu leiden haben – und wie die Käufer der Fruchtsäfte mit den klitzekleinen Zusätzen – noch nicht einmal mitbekommen, dass sie sich für Schrott begeistern.