Analyse: Warum sich VoodooPC von HP kaufen ließ

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Es ging um Patente. HP hatte sie, konnte aber nicht viel mit diesen “Nischen-Technologien” anfangen. VoodooPC wollte sie, bekam sie aber nicht. Daraus wurde so etwas wie eine Fusion. VoodooPC ließ sich kaufen, um an die Patente zu kommen.

Wir berichteten, wie HP den Gamer-PC-Spezialisten VoodooPC kaufte. Und wie sich Rahul Sood von VoodooPC der gelungenen Geheimhaltung selbst vor dem INQ rühmte. Inquirer-Autor Burt Carver nutzte jetzt seine guten Branchenkontakte, um mehr über die Geschichte herauszufinden, und was es für die PC-Branche wirklich bedeutet.
VoodooPC entstand aus einem lokalen Garagen-Computerladen und wurde zu einer weltweiten Marke, die für absolute High-End-PCs steht, vergleichbar dem von Dell übernommenen Alienware. Gründer Rahul Sood ist der glühende Techniker, der ungeachtet aller Kosten stets die höchste Leistung aus einem PC holen wollte. Sein Bruder Ravi ergänzte ihn mit seiner soliden geschäftlichen Ausbildung und Erfahrung. Zusammen führten sie VoodooPC zum Erfolg.
Nach den gescheiterten Patentverhandlungen mit HP sahen sie sich jedoch in die Enge getrieben. Burt Carver fragte in einem Gespräch direkt, ob VoodooPC ohne den HP-Deal als Firma hätte weiterbestehen können.
“Die Firma hatte eine entscheidende Ebene erreicht und stand vor zwei möglichen Alternativen – nach unten gehen (in den breiten Markt gehen, um das Volumen zu erhöhen) oder verkaufen”, erklärte Rahul Sood.
Damit ging es VoodooPC wie den meisten anderen Boutiquen-Firmen, wie sie in der PC-Branche genannt werden. Ihre Innovationen kosten reichlich Geld, und das ist gefährlich, wenn ein Produkt die Erwartungen nicht erfüllt.
HP hingegen hatte das Problem, das kaum niemand High-End-Modelle mit dem entsprechenden Preisaufschlag von ihnen erwartete. Durch den Kauf von VoodooPC haben sie jetzt ein F1-Team in ihrem Stall, wie Rahul Sood es in Interviews gerne vergleicht. Dieses Team führt neue Technologien ein, die in Hochleistungsmaschinen zur Reife kommen und später auch in die Stückzahlen-Modelle einfließen. Und mit VodooPC bekam HP eine heiße Marke, frei von Skandalen und dem eher langweiligen Image der HP-Massenprodukte.
Rahul Sood fühlt sich rundum wohl bei HP, wie er sagt. Auf die Frage, wie er sich nun als Tintenverkäufer fühle, meinte er: “Ich fühle mich wirklich gut. Dieser Deal hätte nicht besser eingefädelt werden können.”
Ob VoodooPC aber auch Drucker von Epson oder Monitore von Viewsonic verkaufen könne, wenn sie deutlich besser wären als die Technik von HP? “Wir werden über diese Brücke gehen, wenn wir sie erreichen”, meinte der Gründer von VoodooPC vieldeutig.
Kelt Reeves, Besitzer des konkurrierenden Herstellers Falcon Northwest, hat eine etwas andere Sicht: “Grundsätzlich wurde der Geschäftsbereich geschaffen, um das Gaming-Segment anzusprechen, aber draußen auf der Straße ist die Glaubwürdigkeit von HP im Spielebereich irgendwo zwischen Plankton und Algen angesiedelt.” Er geht sogar davon aus, dass echte Indie-PC-Fans schon aus Enttäuschung nichts von aufgekauften Läden wie Voodoo und Alienware kaufen werden. (Burt Carver/bk)

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