Senioren-Multimedia als Chance für die IT-Industrie
Sie werden alt sein, bevor Sie sterben

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Alte Menschen sind hässlich, interessieren sich weder für innovative Technologie, noch für zukunftsweisende Konzepte. Schon deshalb können wir beide nie alt werden. Weil alle so denken, geht unserer Wirtschaft vielleicht ein Milliardenmarkt verloren.

Juvenile Produktforschung bedient alternde Gesellschaft

Senioren-Multimedia als Chance für die IT-Industrie

Dass die deutsche Gesellschaft immer älter wird, das weiß man spätestens, seit man jeden Abend während der Tagesschau in das unfrohe Gesicht unseres Arbeits- und Rentenministers Müntefering schauen muss.

Diese Erkenntnis hat sich allerdings in der IT- und Multimedia-Industrie noch nicht herumgesprochen. Aus zwei nachvollziehbaren Gründen:

1. Zum einen sind diejenigen, die für Produktentwicklungen und -strategien verantwortlich sind, zumeist im zarten Alter ihres zweiten oder dritten Lebensjahrzehnts. Weswegen sie Produkte entwickeln, beziehungsweise entwickeln lassen, die ihnen selbst gefallen, sprich: für coole Zielgruppen im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt gedacht sind.

2. Zum anderen empfehlen Berater, Consultants, Werbestrategen und andere studierte Lebenserfahrungslose im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt eine Fokussierung auf eine Zielgruppe im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt, weil bekanntlich jeder, der älter ist, sich weder für innovative Technologie noch für zukunftsweisende Konzepte zu interessieren hat.


Verschenkter Miliardenmarkt?

Senioren-Multimedia als Chance für die IT-Industrie

Es ist tragisch: Weil das Mitarbeiter- und Entscheider-Segment in der deutschen IT- und Multimedia-Industrie, das verantwortlich ist für den kreativen Output, Menschen jenseits der Fünfzig nur aus der Kind- beziehungsweise der Enkelperspektive erlebt, rutscht dieses Segment durch diese postpubertäre Wahrnehmung in die Märchenwelt der Zittergreise und Strickomas, der Telefon-Nichtversteher und Internet-Ahnungslosen.

Selbst diejenigen, die sich Gedanken machen um Nicht-Pubertierende als Zielgruppe, denken eher in den Kategorien “so simpel, dass es meine Oma versteht” oder “so einfach, dass es mein Opa bedienen kann”.

Abgesehen davon, dass die Multimedia-Pioniere der ersten Generation bereits in zehn bis 15 Jahren ins Rentenalter kommen: Ältere Menschen entwickeln Bedürfnisse, die technisch durchaus bedient werden können. Wer darauf nicht eingeht, verschenkt aus juveniler Arroganz einen Milliardenmarkt.


Japan ist weiter – wieso?

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Hinter dem vernetzten Heim, das sich hinter ‘Ambient Intelligence? (bzw. ,Ubiquitous Computing?, ‘Pervasive Computing? oder ‘Next Generation Media?) verbirgt, verstehen heutige Entwickler und Designer vor allem juvenile Produkte wie per PDA steuerbare Stereoanlagen.

Tatsächlich wird eine zukünftige alte Generation (zu der Sie und ich gehören werden) vor allem Ambient-Intelligence-Produkte schätzen, die ihre Unabhängigkeit fördern: Der intelligente Kühlschrank, der Lebensmittel beim Lieferservice nachbestellt, der selbstarbeitende Staubsauger, das Gesundheitsüberwachungssystem mit Fernwirkanschluss – das alles sind Anwendungen, die für Jüngere uninteressant sind, Rentnern aber ein freieres Leben erlauben.

Ambient Intelligence wird zum Top-Thema in den alternden Industriegesellschaften, die sich angesichts des Arbeitskräftemangels den wachsenden Bedarf an (menschlichen) Pflegekräften nicht mehr leisten können. Wir können als Produzenten diesen Zug steuern – oder das Geschäft den Japanern überlassen, die bereits heute Produkte in diese Richtung für ihre ebenfalls alternde Gesellschaft entwickeln.


Der Autor

Senioren-Multimedia als Chance für die IT-Industrie

Joachim Graf ist Herausgeber von iBusiness, einem Trendscouting- und Wissensportal für Entscheider der interaktiven und digitalen Wirtschaft.