Google mischt den Webmarkt auf

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Die ganze Tragweite des Google-YouTube-Deals wird erst so langsam offenbar: Während auf der einen Seite die Medienkonzerne ihre juristischen Kanonen in Stellung bringen, brechen andere Web-Portale wie auch der Markt in nervöse Unruhe und Aktionismus aus.

Yahoo habe den Fehler gemacht, YouTube nicht selbst zu kaufen, schimpfte Jeetil Patel, Analyst bei der Deutschen Bank in San Francisco. Gleichzeitig erinnern ihn die hektischen Milliarden-Übernahmen (MySpace, Facebook) an die 1999/2000er-Euphorie kurz vor dem Platzen der Internetblase.
Die Börse auf jeden Fall begrüßte den Deal mit einem aufwärtsgerichteten Aktienkurs für Google, während die Analysten als Folge mächtigen Verwerfungen für die Internet-Branche sehen. Ein von uns bereits vorhergesagter Nebeneffekt: Große Medien-Konzerne nehmen das neue Gespann Google-YouTube wegen der Verletzung von Urheberrechten in die Zange. Genau das hatten wir bereits vorigen Freitag vermutet. Nun kündigten News Corporation, NBC Universal und der MTV-Besitzer Viacom laut Wall Street Journal entsprechende Vergeltungsmaßnahmen an.
Angesichts der vielen urheberrechtlich geschützten Musikclips und TV-Ausschnitte, die von ihren Usern hochgeladen werden, hatte das Portal schon die Initiative ergriffen und mit mehreren Medienunternehmen eine Übereinkunft verhandelt. So gibt es Deals mit CBS, Warner Music und Vivendis Universal Music. Kurioserweise soll es auch einen Vertrag mit NBC Universal Group geben, die aber jetzt trotzdem in die Offensive gehen. Es lockt halt Geld…
Derweil dürften Google-Konkurrenten wie Microsoft und Yahoo! mächtig unter Druck geraten. „Für Unternehmen, die YouTube kopiert haben, wird es nun eher schwerer werden, da sie jetzt mit der größten Internetfirma der Welt konkurrieren“, schätzt Lars Hinrichs, Geschäftsführer der Business-Kontakt-Börse openBC/XING. „Und der Nutzer geht immer dorthin, wo das Angebot das größte und beste ist.“ Schließlich seien in den nächsten Jahren Milliarden von Werbedollars zu verteilen – und die größten Portale kriegen das größte Stück vom Kuchen.
“Das ist praktisch ein Weckruf für die traditionellen Internet-Unternehmen“, meint Mark Kingdon von der kalifornischen Internet-Werbeagentur Omnicom Group. Rein strategisch sei die Übernahme auf jeden Fall richtig, glaubt Construktiv-Chef Tietjen. “Der Markt für Videostreaming im Web wird einer der größten der Unterhaltungsindustrie werden.” (rm)