SPP: So quält Microsoft die Vista-Piraten

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SPP steht für die neue “Software Protection Platform” der Borg. Die übertrifft in ihren Auswirkungen deutlich das bisherige Anti-Piraten-Programm WGA (Windows Genuine Advantage). Wenn es um Piraten geht, müssen eben auch ein paar Unschuldige dran glauben.

Die renommierte britische Tageszeitung Guardian hat so etwas wie einen Briefkastenonkel für heikle IT-Fragen. Der heißt Jack Schofield, lässt sich mit Pfeife im Mund abbilden und gibt ausführliche Antworten in seinem “ask jack blog”. Die brennende Frage der Woche lautete: “Wie wird Microsoft uns davon abhalten, Microsoft Vista zu stehlen?” Jack nahm die Frage gebührend ernst und macht sich schlau. Was er zusammentrug, dürfte nicht nur Piraten einen Schrecken einjagen.
Wir wir wissen, kommen alle Vista-Versionen von der billigsten bis zur teuersten auf einer einzigen DVD, damit die Käufer erst klein anfangen und dann immer mehr Geld ausgeben können. So etwas machte aber schon den Anbietern der “Yellow CD” mit ihren freischaltbaren Progs Probleme, wie sich manche Veteranen aus M$-DOS-Zeiten vielleicht noch erinnern können. Also muss schwer aufgerüstet werden, um möglichen Piraten den Zugang zum teuren Code zu verwehren.
Die Waffe heißt SPP und überprüft, ob der Benutzer eine echte (“genuine”, also nicht geraubte) Version von Windows hat, und ob sie auch schön echt geblieben ist. Selbst wenn ein gekaufter PC üblicherweise mit vorinstalliertem und aktiviertem Vista kommt, heißt das noch lange nicht, dass SPP dieses Vista auf Dauer als genehmigt ansehen wird. Alle möglichen Änderungen können es als nicht so ganz echtes Vista erscheinen lassen. In diesem Fall ist der Echtheits-Status wieder zu erreichen, indem das Betriebssystem erneut von der DVD installiert wird – sofern man die auch hat.
Stuft SPP ein installiertes Windows Vista als nicht echt genug ein, bereitet es dem vermeintlichen Piraten richtig die Hölle – weit über das hinaus, was schon WGA anrichten konnte. Nach einer Gnadenfrist von 30 Tagen gehen die echten Torturen los, wie sie in Microsofts White Paper (weiß gegen die schwarze Piratenbrut?) veröffentlicht wurden. Die Borg-Inquisitoren schalten in den Modus der reduzierten Funktionalität, wie wir es ihrem Lehrbuch entnehmen können:

“Es gibt kein Startmenu, keine Desktop-Symbole, und der Desktop-Hintergrund wird schwarz. Der Web-Browser behält seine volle Funktion und auch die Internet-Verbindung bleibt erhalten. Nach einer Stunde meldet das System den Benutzer ohne Vorwarnung ab. Es fährt nicht den Rechner herunter, und der Benutzer kann sich wieder anmelden. Hinweis: Dies unterscheidet sich von dem bei Windows XP angewandten RFM (Reduced Functionality Mode), der die Bildschirmauflösung, die Farben, Sounds und andere Features begrenzt.”

Ein Problem wie bei jeder Piratenjagd besteht darin, dass auch Unschuldige verdächtigt und schnell mal gehängt werden können. Wie schon bei WGA massenhaft geschehen, wird auch SPP rechtmäßig erworbene Kopien von Vista zu nicht rechtmäßigen erklären. Wer sein gutes Geld für Vista hingeworfen hat und dann im RFM-Modus landet, wird nicht mehr so gut auf den Verkäufer zu sprechen sein und das Produkt vielleicht für eine Mogelpackung halten.
Das fragt sich auch Briefkastenonkel Jack vom Guardian:
“Leider haben wir keine Ahnung, wie viele irrtümliche Ablehnungen es geben wird. Wenn sie nur ein Prozent ausmachen, dann wären das mindestens eine Million wütende Vista-Kunden im nächsten Jahr. Sofern Microsoft nicht ein wenig vorsichtig mit ihnen umgeht (und das heißt vorsichtiger als bisher), dann wird es zu einer Gegenreaktion kommen.
Doch wenn es funktioniert, könnte es mehr als fünf Milliarden Dollar einbringen, sofern die Benutzer von Raubkopien endlich das Geld auf den Tisch legen. Es sei denn, sie wechseln zu Linux.” (bk)

The Guardian