Mobiltelefon enttarnt Standort
Peilsender im Handy

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Jeder, der ein eingeschaltetes Handy bei sich trägt, gibt seinen Standort preis. Eine Webabfrage verrät ihn jederzeit.

Ein Beispiel aus der Praxis

Mobiltelefon enttarnt Standort

Der Mann im Café ruft in sein Handy: »Jetzt geht es nicht, ich sitze gerade im Taxi, das wird wohl noch ein bisschen dauern«. Zufällig anwesende Personen wissen, dass er geflunkert hat. Aber auch der Gesprächspartner ist darüber im Bilde.

Was der Café-Mann nicht weiss: Sein Mobiltelefon ist bei einem Handytracking-Service angemeldet und meldet seinen Standort über das Internet. Mit dem passenden Kartenmaterial – etwa von Google Earth – kann sich der Angeflunkerte sprichwörtlich ein Bild von der Umgebung machen.

Handy-Tracking für jedermann

Um den Wahrheitsgehalt der »Café-Aussage« zu überprüfen, braucht es wenig. Im Internet bieten zahlreiche Firmen wie zum Beispiel auf www.handyfinder.com einen Handy-Lokalisierungsservice an. Diese Dienste sind kostenpflichtig und schlagen jeweils mit rund 50 Cent pro Mobiltelefon-Abfrage zu Buche. Schnupperangebote zum Nulltarif gibt es aber auch: Bei Corscience, kosten die ersten vier Handy-Ortungen beispielsweise nichts, weitere Anfragen sind dann aber so teuer wie bei anderen Anbietern.

Beim Lokalisieren eines Mobiltelefons kommen keine Satelliten zum Einsatz. Sämtliche Webdienste nutzen dafür das GSM-Netz (Global System for Mobile Communications), in dem alle Mobiltelefone betrieben werden.

Bild: Nichts bleibt verborgen: Per Rückwärtssuche die Anschrift finden und das Umfeld checken


Handy-Tracking auch für Privatpersonen

Mobiltelefon enttarnt Standort

Handy-Ortung ist durchaus sinnvoll – etwa für Firmen, die an Mitarbeiter ausgegebene Mobiltelefone lokalisieren wollen. So sind die Unternehmen über den Verbleib ihres Eigentums informiert. Der Standort kann aber auch wichtig sein, wenn die Mitarbeiter aus Gefahrensituationen gerettet werden müssen. Dabei kommt immer öfter das Handy zum Einsatz: Laut des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft werden inzwischen mehr als die Hälfte der Notrufe in Deutschland per Mobiltelefon getätigt.

Wegen der geringen Kosten ist Handy-Tracking auch für Privatpersonen interessant. Wurde das Mobiltelefon verlegt oder gestohlen, bieten einige Provider wie O2 einen Lokalisierungsservice an. Den offeriert auch Picos und unterstützt nicht nur O2-Handys, sondern auch E-Plus- und Vodafone-Netze. Eltern können über Services wie www.trackyourkid.de den Aufenthaltsort ihres Kindes erfahren. Die Kosten pro Abfrage liegen ebenfalls um die 50 Cent.

Einzige Einschränkung bei der Handysuche: Niemand darf ohne sein Einverständnis geortet werden. Nur in Notfällen oder durch richterliche Anordnung kann die Polizei das Handy ohne Einwilligung seines Besitzers anpeilen.

Bild: Handy-Finder: Die Webseite Plazes.de verrät Handynutzern, wo sich ihre ebenfalls mit Mobiltelefon ausgestatteten Freunde gerade aufhalten


Ortung nur mit Einverständnis

Mobiltelefon enttarnt Standort

Liegt kein Notfall vor, muss die gewünschte Person der GSM-Ortung aus rechtlichen Gründen erst zustimmen. Das geschieht über eine Einladung, die der Tracking-Service per SMS oder Internet verschickt. Dennoch kann das Opfer ahnungslos bleiben: Löscht beispielsweise eine misstrauische Ehefrau einfach die Einladungs-SMS auf dem Mobiltelefon ihres Mannes, bekommt dieser von der Überwachung erst einmal nichts mit.

Zwar sind die Ortungsdienste durch das Telekommunikationsgesetz rechtlich dazu verpflichtet, in unregelmäßigen wie zufälligen Abständen eine Erinnerungs-SMS zu senden. Doch bis zur nächsten Mitteilung können mitunter mehrere Tage vergehen – und das lässt mehr als genug Zeit zum Spionieren.


Standort auf dem Stadtplan

Mobiltelefon enttarnt Standort

Nach Einwilligung kann man per Webabfrage das Handy oder besser gesagt, den nächstliegenden GSM-Sendemasten, beliebig oft lokalisieren lassen. Die Trackingdienste präsentieren die Position des Gesuchten dann auf einer Karte. Deren Genauigkeit schwankt aber je nach örtlichem Mobilfunknetz und Sendeanlagendichte. In ländlichen Gebieten kann die Genauigkeit durchaus bei mehreren Kilometern liegen. Wegen der dichter aneinander stehenden Funkmasten ist die Ortung in Städten wesentlich präziser und kann die Handy-Position bis auf etwa 100 Meter genau ausmachen.

Eine noch exaktere Ortung im Stile eines satellitengestützten GPS ist mit GSM aber nicht möglich. Unterstützt das Handy Java oder ist Blackberry-kompatibel, kann man mit Hilfe von GPS-Abfragen den Standort wesentlich genauer bestimmen. Diese Form der Positionsermittlung dient aber nicht nur der Überwachung und Spionage.


Sind Flirtwillige in der Nähe?

Mobiltelefon enttarnt Standort

Stellen Sie sich vor, Sie sind einer fremden Stadt unterwegs und suchen das nächste 3-Sterne-Hotel. Ihr Handy verrät es auf Anfrage bei einem Serviceanbieter wie http://findme.mapquest.com: Der fragt die Postion des Mobiltelefons ab, vergleicht sie mit seiner Datenbank und liefert Ihnen die Adresse des Hotels – und auch gleich mit den Bewertungen durch ehemalige Gäste.

Auch Freunde, die sich in der Nähe befinden, lassen sich mit den standortbezogenen Diensten finden. Diesen Service bietet etwa Mobiloco an. Der gleiche Anbieter hat mit »Date Maker« auch ein derzeit noch nicht freigeschaltetes GSM-Angebot für Flirtwillige in petto.


Rückwärtssuche im Telefonbuch

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Ebenso effektiv wie Handy-Ortung ist es, über das Internet Telefonnummern herauszufinden. Steht der Gesuchte im Telefonbuch, kann man ihn durch Angabe der Anschrift – die man kennt oder im Impressum seiner Homepage gelesen hat – unter www.telefonbuch.de finden.

Auch der umgekehrte Weg funktioniert: Kennt man nur die Telefon- oder Handynummer, kann man unter www.dasoertliche.de per Rückwärtssuche (auch unter dem Begriff Inverssuche bekannt) die dazu passende Adresse bekommen. Hat der Gesuchte dem Telefonbuch-Eintrag allerdings widersprochen, bleibt die Inverssuche ergebnislos.


Trackyourkid

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Besorgte Eltern, die wissen wollen, wo sich ihr mit Handy bewaffneter Nachwuchs gerade aufhält, können das über die Webseite Trackyourkid in Erfahrung bringen. Der Aufenthaltsort des Sprösslings wird dann auf einer Karte angezeigt, genauer gesagt, die GSM-Funkzelle, mit der sein Handy gerade verbunden ist. Die Ortung kostet pro Abfrage rund 50 Cent.

www.trackyourkid.de


Corscience

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Mit dem Webservice von Corscience lassen sich Mobiltelefone aufspüren, die in den Funknetzen von E-Plus, O2 und Vodafone betrieben werden. Der Clou: Die ersten vier Anfragen sind kostenlos und liefern den aktuellen Standort des Handys – natürlich nur, wenn der Handybesitzer das erlaubt.

www.c
orscience.de/ortungssystem.html


Mobiloco

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Nicht nur für Netzspione: »Buddy Alert« von Mobiloco teilt Handynutzern mit, wenn sich Freunde in ihrer Nähe befinden. Noch in der Experimentierphase ist der dazu passende Flirtdienst »Date Maker«, der interessierte Handynutzer miteinander verkuppeln soll.

www.mobiloco.de


Das Oertliche

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Nach dem neuen Telekommunikationsgesetz darf die Rückwärtssuche in Deutschland angeboten werden. Damit lässt sich die Anschrift von Personen herausfinden, von denen man nur die Telefon- oder Handynummer kennt. Die Rückwärtssuche klappt, wenn der Gesuchte dem Telefonbucheintrag nicht widersprochen hat. Unter dasoertliche.de kann man diesen Service kostenlos nutzen.

www.dasoertliche.de