Umweltfreundliche IT versöhnt Erbsenzähler und Ideologen
Grünes Denken bei der Entsorgung von IT-Ausrüstung lohnt sich

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Die Redaktion IT Week beleuchtet die Vorzüge von umweltfreundlicher Geräte-Entsorgung (Anlagenabgang) und Telearbeit. Richtig umgesetzt kann die “grüne IT” sogar Kosten sparen helfen.

Dreckbären machten Gesetze nötig

Umweltfreundliche IT versöhnt Erbsenzähler und Ideologen

Aus finanzieller Sicht hat es für die Unternehmen durchaus Vorteile, sich alter, unerwünschter Geräte auf die billigste nur mögliche Art zu entledigen. Das führte zu Vorschriften wie die EU-Richtlinie zur Beschränkung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS – Restriction on Hazardous Substances) sowie die EU-Richtlinie über Elektro- und Elektronikaltgeräte (WEEE Waste Electrical and Electronical Equipment). Einige Experten glauben jedoch, dass es nicht nur lästige Kosten verursacht, wenn man sich für das optimale Vorgehen bei der umweltgerechten Entsorgung entscheidet, sondern den Unternehmen sogar Vorteile bringt.

Alle Berichterstatter sind sich einig, dass jede Vorgabe zur umweltfreundlichen Entsorgung von IT-Geräten schon beim Kauf beginnen sollte. Die Verträge sollten Vorgaben enthalten, die die leichte Demontage von Ausrüstungsgegenständen verbindlich festhalten. Dadurch können diese leichter wiederaufbereitet und mit diesem Recycling-Prozess Entsorgungskosten gespart werden. Wenn im Ursprungsvertrag auch noch festgelegt wird, in welcher Form der Lieferant die Produkte am Ende ihrer Nutzungsdauer zurücknimmt, kann das Rätselraten um den Zeitpunkt der Nachrüstung vermieden werden.


Recycling kann sich lohnen

Umweltfreundliche IT versöhnt Erbsenzähler und Ideologen

Die Unternehmen sollten dann in ein bewährtes Recycling- und Entsorgungsprogramm einsteigen, das entweder von ihrem Lieferanten, einer spezialisierten Abfallentsorgungsgesellschaft oder einer Wohltätigkeitsorganisation, die Firmen-PCs aufmöbelt, geleitet wird.

Die Unternehmen sind, laut Kirsty McIntire – WEEE-Entsorgungs-Manager für HP in Großbritannien – zunehmend bereit, solche Maßnahmen zu treffen, wenn sie merken, dass sie aus ihrer alten IT-Ausrüstung noch einen Wert herausholen können.

“Die Unternehmen stellen fest, dass sich der Wiederverkauf von ganzen Maschinen oder Komponenten lohnt. Die Gderäteverwaltung verbessert sich durch die vernünftig durchgeführte Entsorgung wie von selbst.”, fügte sie hinzu. Firmen, die Vereinbarungen mit Wohlfahrtsverbänden eingehen, können außerdem einen Beitrag zu den CSR-Initiativen (Corporate social responsibility) leisten, einem Konzept bei dem es um die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen geht und diese gleichzeitig ihre IT-Altgeräte loswerden.

Allerdings sollten die Unternehmen darauf achten, dass jegliche Daten von den Geräten entfernt wurden, bevor sie zum Recycling gegeben werden. Sonst könnten ihnen Sicherheitsprobleme drohen, wie sie vorigen Monat von Rechercheuren der BBC-Fernsehsendung “Real Story” aufgedeckt wurden. In dem konkreten Fall hatten sie ungelöschte Festplatten aus Großbritannien gefunden, die nach Nigeria verkauft werden sollten.

Die Sendung enthüllte auch die Umweltschäden, die beim Versenden von Ausrüstungen in Entwicklungsländer entstehen können. Dort können giftige Komponenten das Grundwasser verschmutzen oder Gesundheitsschäden bei Arbeitern hervorrufen, die die Geräte oft ohne Schutz demontieren.


Auch Teleworking spart Geld und schont die Umwelt

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Welchen Partner sich die Firmen zur Entsorgung ihrer Ausrüstung auch immer suchen mögen – zuvor sollten sie deren Methoden genau prüfen, um sicherzustellen, dass diese sowohl beim Löschen der Daten als auch bei der Entsorgung die bestmögliche Verfahrensweise einsetzen, meint McIntire. “Man sollte den Recycling-Partner fragen, ob nun Anbieter oder Zwischenhändler, wo der Abfall schließlich landet, wie er behandelt wird und ob er die entsprechenden Zulassungen hat”.

Lena Pripp-Kovac, Managerin für “unternehmerische Selbstverantwortung” bei Dell (so etwas wie die mit Ethik angereicherte Qualitätsmanagement-Funktion) stimmt zu, dass die Unternehmen ihre Recycling-Partner überprüfen sollten. “Wir alle haben Fotos von Standorten in China und anderen Entwicklungsländern gesehen, wo IT-Schrott illegal abgeladen wurde – irgendwoher muss dieser Abfall ja kommen”, sagt sie.

“Dell nutzt inzwischen einen unabhängigen Prüfer, der die Recycling-Programme der Partner unter die Lupe nimmt und von diesen genaue Informationen über Materialfluss und Datenvernichtung einfordert. Es geht sowohl um Umweltprobleme als auch Sicherheitsrisiken – und deshalb müssen die Firmen die Gewissheit haben, dass ihre Hardware ordnungsgemäß behandelt wird”.


IT-management muss jetzt eingreifen

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Während bessere Spezifikationen für den Einkauf und verbesserte Entsorgungspraktiken für IT-Altgeräte die “Fußstapfen” der IT-Abteilung in der Umwelt selbst reduzieren können, müssen die IT-Chefs aber auch in unternehmensweiten Initiativen eine Rolle spielen, um Umweltschäden zu begrenzen und wiederum Kosten zu sparen. Das wird besonders im wiedererstarkten Trend zur Tele-Arbeit deutlich, der immer mehr Mitarbeitern den umweltschädigenden Arbeitsweg erspart.

“Die Systeme werden technisch immer ausgefeilter und verfügen über Funktionalitäten wie etwa Anwesenheits-Informationen (presence awareness) und Collaboration-Portale. Diese machen es möglich, wesentlich nahtloser von zu Hause aus zu arbeiten”, meint Neil Laver, Chef für Vertrieb und Marketing der Unified Communications Group von Microsoft. “Das heißt, weniger Leute fahren zur Arbeit, weniger Leute sind auf den Straßen und man braucht weniger Büroflächen”.

Mit neuen Tools für das Desktop-Management können die Firmen auch leicht temporäre Arbeitsplätze einrichten und es stehen weniger leere Arbeitslätze herum. Wenn ein Telearbeiter ins Büro kommen will, kann er schnell einen Desktop bekommen. “Wenn man früher 100 Leute hatte, brauchte man 100 Schreibtische”, erklärt Derek Williamson von T-Mobile. “Heutzutage mit den mobilen Technologien schauen sich die Firmen die Arbeitsmuster ihrer Angestellten an und stellen fest, dass sie vielleicht nur noch die Hälfte der Bürofläche brauchen”.


Umweltfaktor nie an erster Stelle

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Den IT-Direktoren fällt es leicht, Investitionen in solche Systeme zu rechtfertigen, weil sie Unternehmensnutzen bieten – in Form von geringeren Ausgaben für Bürofläche, höherer Arbeitsproduktivität der Mitarbeiter und weniger Kohlenstoff-Emissionen aufgrund gesunkener Pendlerzahlen.

“Der Umweltfaktor steht nie an erster Stelle, wenn es um die Frage von Heimarbeit geht”, gibt Laver zu. “Die Firmen handeln häufig aufgrund des Wunschs der Mitarbeiter, flexibel zu sein – und vor allem wegen der Kostenersparnis -, aber sie stellen sehr schnell fest, das damit auch dem Umweltschutz gedient ist”.

Joel Makower, Gründer von Greenbiz.com, pflichtet der Ansicht bei, dass IT-Direktoren bei ihrem Bemühen um Geldmittel für solche Initiativen vor allem den Kostenfaktor herausstellen sollten. “Der Gedanke, in umweltfreundliche Initiativen zu investieren, nur um den Kohlendioxid-Ausstoß zu
verringern, ist noch nicht wirklich in die Köpfe eingedrungen”, fügt er hinzu.


Umwlet-IT als Karrierechance

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Experten sagen voraus, dass für IT-Direktoren, die Eigeninitiative zeigen, wenn es um die Einführung solcher umweltfreundlicher Projekte geht, in der Folge gute Chancen auf der Karriereleiter bestehen. “Wenn man auf Vorstandsebene vordringen will, muss man die Unternehmensziele unterstützen – und das Thema Umwelt ist heutzutage ein Unternehmensziel”, meint Richard Barrington, PR-Chef bei Sun.

Laut Greenbiz-Chef Makower wird das Verständnis und Begreifen umweltfreundlicher Technologien in zunehmendem Maße als wertvolle Fähigkeiten anerkannt werden. “Alle IT-Direktoren, die auf dem Gebiet Energie-Effizienz und Umweltfragen zu Fachleuten werden, sind in Ihrer Karriere auf dem aufsteigenden Ast”, sagt er voraus. “Diese Problemkreise verschwinden nicht, und an irgendeinem Punkt wird irgendeiner der Aktionäre an Ihre Tür klopfen und fragen, was Sie für den Umweltschutz tun”.

Abgesehen von dem mehr philantropischen Wunsch, in Punkto Umweltpolitik gut dazustehen, hoffen viele Firmen auch darauf, dass ihre “grünen” Initiativen den Druck durch neue Umweltauflagen und bürokratische Maßnahmen verringern. Als Folge der neuen RoHS-Direktive (den aktuellen EU-Richtlinien bezüglich der Energieeffizienz von elektrischen Produkten – als PDF in Deutsch hier zu lesen) und dem entsprechenden Gesetz zur Umsetzung der EU-Direktive WEEE (als deutches PD hier) meinen Experten, dass neue Vorschriften unvermeidbar sind, sie aber werden weniger lästig sind, wenn die Unternehmen zeigen, dass sie Umweltfragen ernst nehmen.


Auch die Politi will grüne IT

Umweltfreundliche IT versöhnt Erbsenzähler und Ideologen

“Die Umwelt wird bei den Regierungsvorgaben im nächsten Jahrzehnt sicher immer mehr an Bedeutung zunehmen, wie man schon am Bdeispiel Deutschlands sieht. Deshalb werden Unternehmen, die schon jetzt entsprechende Maßnahmen ergreifen, von diesen Veränderungen profitieren, bevor sie dazu Auflagen erhalten?, meint Gary Fowle von Fujitsu Siemens Computers.

Allerdings fordert etwa Matthew Farro von CBI (Confederation of British Industry) die britische Regierung dringend dazu auf, wirtschaftliche Faktoren zu berücksichtigen, bevor sie neue Vorschriften erlässt – in anderen Worten: Den Streit, der in Deutschland schon lange zwischen grünen Ideologen und “schwarzgelben” Industrievertretern schwelt, will Farro in England verhindern. Insbesondere meint er, dass politische Regelungen die Firmen nicht zu sehr unter Druck setzen und ihnen damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht noch erschweren sollten.