Intel: PC-User zu dumm, den Einschaltknopf zu finden

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Bei der Vorstellung ihres “erschwinglichen PC” für die Massen hatte ein Intel-Manager das Problem, den übergroßen leuchtenden Einschaltknopf zu erklären, durch den die Box fast wie ein Beamer wirkte. Ein INQ-Reporter fasste nach und bekam erstaunliche Antworten. Er hat sie auf Band, falls es jemand nicht glauben möchte.

Die Einschaltknopf-Affäre begann auf der EXPOCOMM Argentina 2006. Dort stellte Esteban Galuzzi, für die Intel-Geschäfte in Südamerika zuständig, neue billige Kisten für den Rest der Welt vor und merkte dabei mutig an, die Einschaltknöpfe von PCs seien oft schwer zu finden: “Sie sehen hier, dass der Einschaltknopf sehr groß ist, weil das eines jener Objekte ist, mit denen die Menschen viel Interaktion haben. Alles braucht einen Einschaltknopf, und der ist auf einem PC oft genug nur schwer zu finden.”

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Einschaltknöpfe

Bei der anschließenden Fragestunde hakte Inquirer-Korrespondent Fernando Cassia nach: “Können Sie Ihre Vorstellungen etwas näher ausführen hinsichtlich des von Ihnen vorher angesprochenen Problems, das der Einschaltknopf auf PCs schwierig zu finden ist?” Die Zuhörer lachten hier ein wenig – vielleicht weil sie zu den Genies gehören, die den Einschaltknopf auf ihrem PC finden können.

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Intels “erschwinglich verschlossener PC”

Intel-Galuzzi hielt inne und schien ein wenig zurückweichen zu wollen: “Was den Schalter angeht, vielleicht habe ich mich da falsch ausgedrückt, aber das ist eine der auffälligen Sachen, die in jeder Marktforschungsstudie auftauchen, dass Leute … manchmal den Einschaltknopf suchen und ihn nicht finden können, oder sie drücken ihn zur falschen Zeit und fahren den Computer herunter, wenn sie das gar nicht hätten tun sollen. Ich wiederhole nur, was die Studien besagen.”

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Noch mehr Einschaltknöpfe

Wer Spanisch spricht oder auch nicht, kann sich beim INQ die Originaltöne als MP3s reinziehen. Hier in der Umgebungslautsstärke einer Pressekonferenz, hier ein wenig lauter, und hier schließlich die Antwort auf die hinterhältige INQ-Frage.

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Intels Esteban Galuzzi

Was wir uns jetzt fragen: Wenn jemand zu blöde für den Einschaltknopf auf einem gewöhnlichen PC ist, was soll der dann mit der Intel-Gerätschaft anfangen, nachdem er mit geballter Faust auf das übergroße glühende Ding an der Vorderseite gedrückt hat, damit das verdammte Ding mal in die Gänge kommt? Gut, wir wollen mal nicht über den IQ der angepeilten Nutzer spekulieren. Aber wer soll nun wirklich mit Intels “erschwinglichem, nicht erweiterbaren, geschlossenen PCs für die sich entwickelnden Märkte” erreicht werden? Schließlich haben es Leute aller Schattierungen über die Jahre gelernt, ihre Mobiltelefone auch ohne Einschaltknöpfe von der Größe einer Riesenpflaume ein- und auszuschalten. Soll ein Einschaltknopf in XXXL-Größe als das wichtigste Verkaufsargument für Intels “erschwinglichen PC” herhalten, oder ist das eine Lösung, die nach einem Problem sucht?
Auch wenn man uns für elitär halten sollte: Wir glauben, dass der Einschaltknopf auf einem Standard-PC als Barriere für die PC-Nutzung tief genug ist. Wenn jemand nicht mal den normal großen Button auf einem PC findet, wie können wir von ihm erwarten, dass er mit Begriffen wie Netiquette, Spam und Internet-Sicherheit klarkommt? (Fernando Cassia/bk)

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