Intel: Management und Technik noch zu eindimensional?
Chip-Riese muss paralleles Denken lernen

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Mit einer größeren Betonung der Parallelverarbeitung könnte Intels neuer Boss dem angeschlagenen Riesen vielleicht neues Leben einhauchen.

Kündigungen ein Schuss in den Ofen?

Intel: Management und Technik noch zu eindimensional?

Paul Ottelini – Intels neuer Chef – folgte kürzlich dem Beispiel vieler “neuer Besen” im Management. Er entschied sich für den Abbau von Arbeitskräften. Grund dafür sind wie üblich schlechte Zahlen über mehrere Quartale hinweg. Aber Otellini ist damit auf dem falschen Dampfer, wenn es um große Verbesserungen geht – denn Intels Probleme lassen sich nicht mit dem Rausschmiss von ein paar Mitarbeitern lösen.

Die Kündigungen treffen vor allem leitende Mitarbeiter im Marketingbereich, die sich mit Marktentwicklung und Werbung befassen – Intel hat mehr Manager in diesen Positionen als sein Erzrivale AMD. Dieser Schuss könnte aber nach hinten losgehen, denn die gefeuerten Mitarbeiter landen vielleicht beim Konkurrenten. Das könnte die Schlagkraft von AMD auf dem Markt noch erhöhen – wo das Unternehmen wahrscheinlich schon eine zeitweilige Führung bei den mehrkernigen Prozessoren erobert hat. Wenn Intel nicht aufpasst, kann es leicht in der Kategorie “ferner liefen?.” landen.


Sisyphus-Arbeit

Intel: Management und Technik noch zu eindimensional?

Auch gibt es mittlerweile Gerüchte, dass Otellini beabsichtigt, den Mitarbeiterstab insofern auszugleichen, als er mehr Verkäufer mit direktem Kundenkontakt einstellen will. Es ist ihm wohl durchaus bewusst, dass es immer mehr zu einer Sisyphusarbeit wird, Intel-Prozessoren zu verkaufen. Jedoch neue Vertriebsmitarbeiter für ein Unternehmen einzustellen, dessen Prozessoren sich viele Jahre lang wie von selbst verkauft haben, kann bei einem engen Markt nur geringeren Profit bedeuten.

Die Probleme von Intel können nicht damit gelöst werden, die Gesamtbeschäftigungszahl zu verringern und ein paar Neuzugänge für spezielle Abteilungen zu schaffen. Intel leidet in Wirklichkeit an dem Problem aller Firmen, die eine Technologie zu weit und zu hart vorangetrieben haben. Denn das Verfallsdatum für die x86-Architektur ist offensichtlich überschritten

Einige mögen dies für Ketzerei halten – insbesondere die Armeen von IT-Managern, die ganze Imperien auf dem Rücken der x86-basierten Server aufgebaut haben. Nun, sie müssen sich keine Sorgen machen: x86-Server werden nicht über Nacht verschwinden. Einige Experten regen aber ernsthaft an, sich in Richtung einer neuen Technologie zu bewegen und die Parallelverarbeitung besser zu nutzen.


Neue Chancen durch neue Hard- und Software

Intel: Management und Technik noch zu eindimensional?

Steve Prenice, Vizepräsident und renommierter Analyst bei der Gartner Group, hat kürzlich auf den Trend verwiesen, die Leistung von Prozessoren und Systemen mittels Parallelität und mehr eingebauter Redundanz auf dem Chip zu erhöhen.

Natürlich haben wir bereits zweikernige x86-Chips, und IBM verkauft schon vierkernige Power-Prozessoren. In ein paar Jahren werden wir wahrscheinlich Xeon- und Opteron-Chips kaufen können, die acht oder 16 Kerne haben.

Aber Ian Barron, Lichtgestalt des einst berühmten und von der britischen Regierung unterstützen Start-Up Unternehmens Inmos, meint: “Wenn wir mehr Parallelität in die Computer-Software bekommen könnten, werden schnellere Systeme möglich.” Geht man davon aus, dass Software von einem Umschreiben profitieren könnte, um für eine 16-Wege Hardware optimiert zu werden, so eröffnet sich die Möglichkeit, Software-Architekturen zu überdenken und eventuell auf alternative Prozessoren umzusatteln.

Mit dem Rausschmiss von Mitarbeitern wird Otellini also nicht die Kastanien aus dem Feuer holen. Um für die Zukunft gewappnet zu sein und sich nicht nur in einem schwindenden Markt wieder zu finden, muss Intel drastische Veränderungen im Bereich seiner Produkte vornehmen. Dazu braucht es motivierte Mitarbeiter. Mit vernichtender Kritik, die zu oft in Form von Kündigungen ausgesprochen wird, wird das wohl kaum zu machen sein.