Benq-Krise: Siemens macht Rückzieher (Update)

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Wegen der Krise um BenQ verzichtet Vorstandsvorsitzender Klaus Kleinfeld auf die umstrittene Gehaltserhöhung.

“Der Vorstand hat entschieden, die diesjährige Gehaltserhöhung in einen Hilfsfond einzubringen”, verkündete Siemens-Chef Kleinfeld gestern mit Leichenbittermiene. Der Fonds wurde von Siemens eingerichtet, um den 3.000 Mitarbeitern der vor gut einem Jahr ausgegliederten Handysparte unter die Arme zu greifen.

Damit gab die Führungsspitze dem Druck der letzten Tage nach. Es war schon heftig, was da auf Kleinfeld und seine Mannen einprasselte: Erst attestierte ihm die Bild-Zeitung die mit 30 Prozent “frechste Gehaltserhöhung des Jahres”, dann kündigte BenQ die Schließung der deutschen Werke an und die Boulevardpresse titelte “Verarscht”.

Und schließlich erntete Siemens Kritik von allen möglichen Organisationen und Politikern, einschließlich Bundeskanzlerin Andrea Merkel, die “eine besondere Verantwortung für die früheren Mitarbeiter” ausmachte. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber zitierte Kleinfeld am Montagabend zum Gespräch und die Süddeutsche meldete Anhaltspunkte, dass die Pleite der Handysparte vorsätzlich mit BenQ-Hilfe eingefädelt worden sei (wir berichteten).

Indes prüfen Rechtsanwälte, inwiefern BenQ gegen den Verkaufsvertrag verstoßen hat. Ach ja, und gestern stornierte der größte Mobilfunkbetreiber T-Mobile seine Handybestellungen beim insolventen Hersteller. “Wir sind aber grundsätzlich daran interessiert, mit BenQ weiter zusammen zu arbeiten”, ließ ein T-Mobile-Sprecher gegenüber Reuters Handlungsbereitschaft erkennen.

Der taiwanesische Käufer BenQ ist derweil damit beschäftigt, alle Lieferbeziehungen zur BenQ GmbH zu kappen. Den Beschäftigten in München und Nordrhein-Westfalen droht in drei Monaten die Arbeitslosigkeit (wir berichteten). (rm)

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