HP-Skandal: Liebesgrüße aus Kona

Allgemein

Sie haben verwanzte Post – und der Absender heißt Hewlett-Packard. Vor dem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses kamen interessante technische Details über branchenübliche Spionagemethoden im Internet-Zeitalter heraus.

Die Ermittler von HP haben mit Vortäuschungen und unter falscher Identität von Telefongesellschaften die Anrufaufzeichnungen von sieben HP-Vorständen, zwei Angestellten und neun Reportern sowie ihren Familienangehörigen erschlichen. Sie wühlten sich durch den Müll ihrer Zielpersonen, ließen mindestens zwei Personen physisch beschatten und verschickten dubiose Tracking-E-Mails über den australischen E-Mail-Proxy-Dienst ReadNotify.com. Wie in einem Bond-Film fühlten sie sich offenbar auch: Den Codenamen “Kona” für die große Schnüffelaktion dachte sich die Ex-Vorstandsvorsitzende Dunn bei einem Urlaub auf Hawaii aus – es ist eine hawaiianische Gegend, in der jährlich im Oktober der “Ironman”-Wettbewerb ausgetragen wird.
Das zweifelhafte E-Mail-Tracking, das irgendwo zwischen legal, illegal und unethisch anzusiedeln ist, wird auch gerne von Spammern eingesetzt, die ebenfalls zu gerne wissen wollen, ob und von wem und wo ihre unbestellte Post gelesen wurde.
Fred Adler, HP-Boss für IT-Sicherheit, musste vor dem Untersuchungsausschuss zugeben, dass HP das umstrittene E-Mail-Tracking schon Dutzende Male einsetzte, um gegen Angestellte und andere zu ermitteln. Es sei dabei um Diebstähle und anderes gegangen, auch hätte HP auf diese Weise polizeiliche Maßnahmen unterstützt: “Das war und ist noch immer unsere Verfahrensweise. Es wird noch immer vom Management als Ermittlungsmethode gebilligt.”
Um eine vermutete undichte Stelle im Vorstand zu ermitteln, waren die HP-Ermittler auf ein Geheimdienst-Szenario per E-Mail verfallen. Sie erstellten gefälschte Dokumente und dachten sich einen unzufriedenen HP-Manager namens “Jacob” aus. In dessen Namen schickten sie diese Unterlagen mit einer verwanzten E-Mail an die Reporterin Dawn Kawamoto von Cnet News.com und hofften, sie würde es an die undichte Stelle bei HP weiterleiten, um die Echtheit der Unterlagen zu überprüfen. Hätte die Reporterin das getan, hofften die Ermittler die IP-Adresse des Informanten und noch einiges mehr zu erfahren. Dawn Kawamoto tat das aber nicht. Die Nummer aus dem Agentenroman führte statt dessen dazu, dass die Spitzel und ihre Auftraggeber vor einem Untersuchungsausschuss über ihre Heldentaten berichten dürfen. (bk)

Computer Business Review