Grund für “Dellplosionen” liegt in Batterietechnik
Riesen-Power in Mini-Notebooks – Wie viel Strom braucht der Mensch?

IT-ManagementIT-ProjekteMobileNetzwerk-ManagementNetzwerkeNotebookSicherheitSicherheitsmanagement

Kelvyn Taylor geht unter dem ketzerischen Titel “Less power to the people” der Frage nach, wie sich die Schlagzeilen über explodierende Akkus auf die Bereitschaft der Anbieter auswirkt, der steigenden Nachfrage nach Laptops für den ganzen Arbeitstag noch nachzukommen.

Stromhunger durch Li-Ion-Akkus gelöst?

Grund für “Dellplosionen” liegt in Batterietechnik

Der durch defekte Sony-Batterien in Dell- und Apple-Laptops (angefangen mit einer Inquirer-Story) hervorgerufene Aufruhr und Medienrummel (der in zahlreichen Berichten kulminierte) hatte zumindest einen nützlichen Effekt: Wir wissen jetzt wieder, was für Monster die Batterien im Grunde doch sind.

Seit sich irgendjemand ausgedacht hat, wie man auf chemischem Wege Energie erzeugt, die sich in netter Verpackung als sehr benutzerfreundlich ausgibt, steigt die Nachfrage nach immer kleineren, stärkeren und langlebigeren Modellen. Leider ist aber das Hineinquetschen von immer mehr chemischer Energie in immer kleiner werdende Behälter grundsätzlich keine gute Idee, denn bei dieser Entwicklung müssten erst einmal Maßnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit dieser “Powerpacks” zu gewährleisten.

Diese Maßnahmen hängen vom Typ der Batteriechemie ab. Die Lithium-Ionen-Batterie war ein Durchbruch, der es erst ermöglichte, dass Laptops und Mobiltelefone zum Massenprodukt werden konnten. Sie speichert eine große Menge Energie pro Volumeneinheit, hat keine “Speichereffekte” aufzuweisen, hält während der Stromabgabe eine konstante Spannung aufrecht, erfordert keinerlei Wartung und verliert auch bei korrekter Lagerung wenig an Ladung.


Gefährliches Chemie-Cocktail

Grund für “Dellplosionen” liegt in Batterietechnik

Aber auch Li-ion-Batterien haben so ihre Schwächen. Sie sind nämlich hyperempfindlich, was die Art und Weise ihrer Auf- und Entladung betrifft. So müssen spezielle Sicherheitsschaltkreise dafür sorgen, dass keine Überladung oder Überentladung stattfindet, weil sonst zu viel Wärme frei wird – was zu den bekannten fatalen Folgen führen kann. Druckventile und Sollbruchstellen im Batteriegehäuse sorgen dafür, dass die Batterie langsam zu Bruch geht, bevor sie nach Ausfall des Sicherheitsstromkreises möglicherweise explodiert – wobei auch in diesem “Vorsorgefall” brennende Chemikalien austreten können.

Wahrscheinlich ist es genau das, was bei der “Dellplosion” passierte – die physikalischen Sicherheitsmechanismen haben funktioniert und Schlimmeres verhindert. Als Fluggast wäre ich zwar auch nicht begeistert, wenn mir durch einen Spalt in der Kabinenwand der Wind ins Gesicht bliese, aber es wäre mir allemal lieber, als durch eine Explosion ins Jenseits befördert zu werden.

Moderne Batterien sind schon recht sicher, obwohl wir sie bereits überstrapazieren. Und dennoch fühlen sich die Wissenschaftler aufgrund der ständig steigenden Nachfrage nach Long-Life-Batterien in tragbaren Geräten dazu aufgerufen, noch potentere Chemie-Cocktails zu entwickeln.


Ganztags-Notebook gegen Sicherheit?

Grund für “Dellplosionen” liegt in Batterietechnik

Bei vielen steht der “All-day-Laptop” ganz oben auf der Wunschliste – das bestätigen Laptop-Hersteller durch die Bank. Ich halte das allerdings für eine Fehlentwicklung. Für mich lag der Hauptnutzen eines Laptops immer darin, dass er klein und tragbar ist, nicht in der Möglichkeit, ihn stundenlang am Stück angeschaltet zu haben. Ich bin zwar an sich nicht der typische Laptopnutzer, da ich in Zügen und Flugzeugen grundsätzlich nicht arbeite, aber genau diese Verkehrsmittel beginnen ja damit, Stromquellen für Laptops zur Verfügung zu stellen. Im Übrigen verlängert sich die Lebensdauer von aufladbaren Batterien beträchtlich, wenn sie nicht ständig volle Energie liefern müssen. Vielleicht wäre es eine gute Idee, den Benutzern einmal zu zeigen, wie einfach es ist, eine Batterie aus einem Gerät zu nehmen. Die weniger gute Idee wäre allerdings, sie dabei auf den Boden fallen zu lassen. Die Ideallösung ist noch nicht in Sicht.

Ob Unternehmen nun ihren Mitarbeitern die an sich so effektive Telearbeit (ohne nervige Meetings mit ergebnislosen Schwafelrunden) wieder madig machen werden, weil sie aufgrund der Arbeitsplatzschutzgesetze doch zur Verantwortung gezogen werden könnten, wenn die Hersteller nicht haftbar gemacht werden?

Die Gegner der langsam wiederaufkommenden Fernarbeit (mehr zu neuen Entwicklungn hier) haben mit den Akku-Explosionen wieder ein Argument. Doch die abfackelnden Geräte werden dem Trend vielleicht rotzdem nicht schaden.