Sinn und Unsinn der Virtualisierung
Xen kommt, egal ob einsatzbereit oder nicht

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Die Virtualisierungstechnologie Xen aus dem britischen Universitäts-Umfeld ist noch nicht ganz trocken hinter den Ohren. Doch sie findet schon Einzug in die kommerziellen Linux-Distributionen für Unternehmen. Werden die Firmen die Software auch nutzen?

Schlammschlacht um Virtualisierung

Sinn und Unsinn der Virtualisierung

Die kürzliche Markteinführung des Suse Linux Enterprise Servers (SLES) 10 hat Xen in den kommerziellen “Mainstream” gespült. Falls Ihnen Xen noch nicht untergekommen ist – es handelt sich hierbei um eine OpenSource-Virtualisierungstechnik für Server, die noch nicht ganz trocken hinter den Ohren ist. SLES 10 ist das erste kommerziell unterstützte Betriebssystem, das Xen integriert hat, aber es wird nicht das letzte sein.

Anfangs war Xen als Quellcode für Linux-Spezialisten verfügbar, damit sie diesen ihren Systemen hinzufügen konnten. Seit März ist die Version 3 von Xen auch im Red Hat Core (FC) 5 enthalten, der kostenlos abgegeben wird, jedoch ohne Support-Angebote durch Red Hat. Das Unternehmen wird Xen seinem kommerziellen Betriebssystem Red Hat Enterprise Linux (RHEL) 5 , das im Dezember erwartet wird, hinzufügen.

Als Novell SLES 10 im Juli auf den Markt gebracht hat (PCProfesionell testete die Nicht-Enterprise-Distribution und kam zu dem Schluss, dass die Virtualisierung noch nicht richtig gesteuert werden kann), hat das Unternehmen Red Hat beim Rennen um eine kommerziell unterstützte Xen-Option den Rang abgelaufen. Dadurch kam es zu einer Art Schlammschlacht unter den beiden Protagonisten.


Xen: Zeit zum Probieren

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Der technische Direktor von Red Hat, Brian Stevens, behauptet, dass Xen noch nicht in der Lage sei, Unternehmens- Anwendungen zu hosten. Aber der technische Direktor von Novell, Jeff Jaffe, meint, dass sein Unternehmen umfangreiche Tests vorgenommen habe und deshalb glaube, dass Xen ausgereift genug für Firmenanwender ist.

Ich habe Xen unter FC5 und SLES 10 verwendet, und beide Herren haben teilweise Recht. Xen ist für die Unternehmensanwendung noch nicht genug ausgereift, aber es ist durchaus geeignet für Unternehmen, um mit einer Evaluierung der Technologie zu beginnen.

Firmen, die die Virtualisierung in Betracht ziehen, wären töricht, Xen nicht unter die Lupe zu nehmen, um besser die Unterschiede zu verstehen, die zwischen Xen und anderen Virtualisierungs-Optionen bestehen. Einige mögen Xen sogar für Anwendungen einsetzen, die nicht entscheidungsrelevant (mission-critical) sind – weshalb also nicht noch einen zweiten DNS-Server, der unter Xen läuft, einrichten? Wenn er gelegentlich ausfällt, hat man noch immer die Xen-losen Server, die irgendwo im Netzwerk arbeiten. Das Hauptaugenmerk müsste darauf gerichtet sein herauszufinden, wie lange er durchhält, ohne abzustürzen oder ob Neustarts des Servers den Dienst unterbrechen. Auch könnte man etwas über die Häufigkeit und Notwendigkeit von Backups und anderen “Hausmeistertätigkeiten” am System erfahren.


Noch nicht für unternehmenskritische Zwecke

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Ich bezweifle, dass Firmen Xen wirklich für unternehmensrelevante Anwendungen in den nächsten Jahren einsetzen werden. Bevor das geschieht, müssen sie sicher sein, dass Xen stabil ist, seine Leistung gut genug ist, um die gestellten Aufgaben zu bewältigen und dass es über Management-Tools verfügt, die es den IT-Mitarbeitern ermöglichen, virtuelle Server zu starten, anzuhalten, zu sichern und Migrationen zwischen Servern durchzuführen.

Was noch wichtiger ist: Die Anwendung muss in ihrem Lebenszyklus an einem Punkt sein, die sie für Migration geeignet macht. Die Migration einer Anwendung, die erst kürzlich auf neuer Hardware installiert worden ist, macht vielleicht nicht viel Sinn, weil kritische Anwendungen vor ihrem Einsatz getestet und zertifiziert werden müssen – und wer will das schon doppelt machen?

Viele Firmen würden wohl lieber warten bis die Server-Hardware für kritische Anwendungen die Mücke macht, bevor sie migrieren.