HP spioniert sich selbst aus

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INQ_HPspionage.jpgHewlett Packard-Aufsichtsratsvorsitzende Patricia Dunn fühlt sich wohl wie Patrick Fitzgerald, der Chefankläger bei den Verfahren rund um die enttarnten CIA-Agenten. Auch sie jagt Verräter aus den eigenen Reihen – mit allen Mitteln.

Es begamm damit, dass ein HP-Manager der höheren Ränge im Januar dem Online-Magazin Cnet einige Hinweise und Zitate zuspielte. Pikant: Die Infos stammten aus einem Treffen des Aufsichtsrats. Zwar wurden keine wichtigen Geheimnisse ausgeplaudert, doch Dunn ärgerte sich sehr über die undichte Stelle. Also begab sie sich auf Hexenjagd, ließ Papiere durchsuchen, Telefon-Listen und -Aufzeichnungen durchforsten und Handys abhören. Nach kurzer Zeit hatte sie einen Verdächtigen im Visier: Dr. George Keyworth der II. Er soll schon in 2005 die Presse über die Absetzung von HP-Chefin Carly Fiorina in Kenntnis gesetzt haben. Der Aufsichtsrat forderte bereits im Mai den Kopf von Keyworth.
Andere Mitarbeiter wie HP-Direktor Tom Perkins regten sich allerdings sehr über die unorthodoxen bis illegalen Methoden der Hexenjagd auf. Perkins legte schließlich sein Vorstands-Mandat nieder. Noch ist die ganze unerfreuliche Geschichte am köcheln. Da fragen sich die Branchenbeobachter: Wer führt eigentlich die Geschäfte und beobachtet die HP-Konkurrenz, während sich die Führungs-Crew bei der Agentenjagd amüsiert? Und will man von so einer Firma überhaupt Aktien besitzen? (rm)