Fernarbeit rückt endlich nah
Warum Telearbeit den Durchbruch schaffen wird

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Man nehme drei Trends, die miteinander wenig zu tun haben – Bandbreitenwachstum, den kletternden Ölpreis und Web 2.0 – und man hat einen neuen Trend, der eigentlich ein alter ist: Telearbeit.

Studien bislang von Realität ad absurdum geführt

Fernarbeit rückt endlich nah

Die Zahl der optimistischen Prognosen über die Zukunft der Telearbeit sind Legion. Aktuell gehandelt werden Studien von ISI und IDC.

Marktforscher IDC prognostiziert in den kommenden drei Jahren einen Anstieg der Telearbeiter auf weltweit 850 Millionen – vor allem in den USA und Asien. In Deutschland ist es das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), das in einer Delphi-Studie im Bereich Arbeit die höchsten Virtualisierungspotenziale entdeckt hat.

In der Vergangenheit wurden die Telearbeitstudien mit ihren schönen Wachstumszahlen immer von der hässlichen Realität ad absurdum geführt. Denn trotz der hübschen Idee gab es stets mehr Bedenkenträger als Befürworter – von der IT-Abteilung (Bandbreite, Sicherheit) über Betriebsrat und Personalabteilung (fehlende Kontrolle) bis hin zu den Mitarbeitern selbst (weniger Kollegenkontakt).

Doch mit der fortschreitenden technischen und medialen Entwicklung werden die Widerstände gegen Telearbeit weniger stark und ab den 10er Jahren dieses Jahrhunderts wird für uns alle Telearbeit in vielen Segmenten der Arbeitswelt genauso selbstverständlich sein wie heute der Firmenparkplatz.


Ölpreis fördert Heimarbeit

Fernarbeit rückt endlich nah

Bis vor wenigen Jahren scheiterte Telearbeit daran, dass Netzinfrastruktur, Software und Hardware schlicht zu träge waren für Fernarbeitsplätze. Inzwischen ist die Bandbreite flächendeckend da, die Software wandert zudem als Web-Anwendungen immer stärker ins Netz und die Hardware wird ohnehin immer kleiner und mobiler, die Bildschirme flacher und damit arbeitsplatztauglich auch für kleine Wohnungen. Der Wohnraum wird zudem zunehmend ein “Knoten im Netz” – eine technische Infrastruktur also für breite Teile der Bevölkerung auch zuhause normal.

Machen wir uns nichts vor: Die Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz ist der industriellen Revolution geschuldet – nicht einer Wissensgesellschaft. Die Bundesbahn zieht sich aus der Fläche zurück, der Preis für einen Barrel Öl wird irgendwann auch die 100-Dollar-Hürde nehmen und die Zersiedlungssubventionierung “Kilometerpauschale” wird von nun an auf der Streichliste aller Finanzminister stehen. Umgekehrt werden vor allem besser verdienende Wissensarbeiter dem schönen Wetter und den niedrigen Mieten nachziehen – und zudem global arbeiten. Die Fleisch-Transportkosten müssen also irgendwann aus der Kostenkalkulation der Ware Arbeitskraft verschwinden.


Web 2.0 bringt menschliche Kommunikation zurück

Fernarbeit rückt endlich nah

Die menschliche Kommunikation war bisher das Hauptargument gegen die Telearbeit: Die Angst vor der Vereinsamung. Bei der Onlinekommunikation beginnt gegenwärtig ein weltweiter Lernprozess – Web 2.0 genannt. Instant Messenger im Business-Umfeld, internetbasierte (Bild-)Telefonie, Webcams und Collaborative-Working-Umgebungen werden sich im kommenden Jahrzehnt bei (der wachsenden Zahl von) Selbstständigen wie auch bei den heutigen Schülern als kommunikative Selbstverständlichkeit durchsetzen.

Zusammengenommen wird das nicht nur die Arbeitswelt durcheinander wirbeln – sondern auch die Immobilienbranche, die Städteplanung und das Kultur- und Infrastruktur-Management, weil der Wohn-Standortvorteil “Nähe zum Arbeitsplatz” an Bedeutung verlieren wird.


Der Autor

Fernarbeit rückt endlich nah

Joachim Graf ist Herausgeber von iBusiness, einem Trendscouting- und Wissensportal für Entscheider der interaktiven und digitalen Wirtschaft.