Rechenpower auf Bedarf
Skalierbare Server-Kapazität für alle

CloudIT-ManagementIT-ProjekteNetzwerk-ManagementNetzwerkeVirtualisierung

Amazons Elastic Compute Cloud bietet skalierbare Serverkapazität online, und das zu einem erfreulich niedrigen Preis. Ein erster Blick auf die Funktionalität des Dienstes.

Erschwingliches Grid Computing

Rechenpower auf Bedarf

Bei Sun redet man seit Jahren von Grid Computing, aber jetzt ist es der eCommerce-Gigant Amazon, der On-Demand-Serverkapazität auf den Massenmarkt bringt. Sein Produkt Elastic Compute Cloud , kurz EC2, erlaubt es, virtuelle Server-Kapazität nach Bedarf über eine Web-Service-API zu nutzen.

Vergangene Woche wurde der Dienst angekündigt (wir berichteten), in der Zwischnzeit hatten wir Gelegenheit, damit herumzuprobieren.

Mit EC2 wird jeder Linux-Server zum Äquivalent eines 1,7-GHz-Xeon mit 160-GByte-Festplatte, und man bezahlt dafür etwa 10 Cent pro Stunde, während man online ist. Der Preis ist angemessen, selbst wenn das System dauerhaft läuft. Aber vor allem wenn es nur sporadisch genutzt wird, wird das Ganze sehr ökonomisch. Der Nutzer kann seine eigenen Server-Images konfigurieren, sodass die Server-Instanzen die Anwendungen des Nutzers jederzeit starten können, sobald diese online sind.


EC2 in Symbiose mit virtuellem Speicherservice

Rechenpower auf Bedarf

Der EC2-Service ist flexibel. Es fallen mir sofort drei sehr geeignete Anwendungsgebiete ein. Das erste: Anwendungen sind dynamisch skalierbar – mit EC2 lassen sich je nach Bedarf weitere Server-Instanzen hinzufügen. Auch beim parallelen Computerbetrieb wie beim Supercomputing mit rechenintensiven Aufgaben wäre es eine sinnvolle Alternative, ein paar EC2-Server zu nutzen, um die verteilte Rechenpower zu verwenden. Der dritte Einsatzbereich könnte das Testen von Anwendungen und deren Entwicklung sein. Virtuelles Hosting ist dafür ideal und erlaubt es, mit verschiedenen Konfigurationen in einer Internet-Livesitzung zu experimentieren.

Der Elastic Compute Cloud ist im Moment in Betaphase, und es zeigen sich nach ein wenig Probieren natürlich auch ein paar Haken an diesem Service. Der offensichtlichste ist, dass beim Beenden einer Server-Instanz – oder bei deren Absturz – der Vorgang für immer verloren ist. Aber auch echte Server können abstürzen, und EC2 beweist nur einmal mehr, dass man seine Daten nicht ausschließlich einer einzigen Maschine anvertrauen sollte. Amazon bietet in diesem Zusammenhang seinen S3 Simple Storage Service an, der es erlaubt, die Daten über eine andere Webservice-API an einem sicheren Ort aufzubewahren.

S3 wird auch dazu verwendet, Server-Images zu speichern. S3 und EC2 verbindet also eine Art natürliche Synergie. Das größte Manko ist vielleicht das Fehlen einer Service-Vereinbarung (Service Level Agreement, SLA) sowohl für EC2 als auch für S3. Der S3-Service hat sich bis jetzt aber als sehr zuverlässig erwiesen.


Virtuelles Hosting ist kein virtelles Hosting

Rechenpower auf Bedarf

Warum begibt sich Amazon in die Arena des virtuellen Hosting? “Wir sehen darin kein virtuelles Hosting”, meint Peter De Santis, Chef von Amazon EC2. Er beschreibt es als “eine Basiskomponente für Entwickler” und fügt hinzu, dass Amazon EC2 mit der Nachfrage wachsen wird.

Warum sollte man sich überhaupt für eine Webservice-API interessieren, wenn man ein Control Panel hat? “Der offensichtlichste Vorteil”, so De Santis, “ist, dass Entwickler sich jeweils so viel Rechenleistung holen können, wie sie brauchen”. Und wie steht EC2 im Vergleich mit anderen Grid-Computing-Intitiativen da? “Es ist einzigartig”, so die Antwort, “denn es gibt den Entwicklern die vollständige Kontrolle über ihre Instanzen”. Wir haben es probiert – und es stimmt.

Ich finde es durchaus bemerkenswert, die Möglichkeit zu haben, innerhalb von Minuten von null auf 10 oder mehr Server zu wechseln – und das auch per Software, die sich dazuholt, was si braucht. Ebenso erstaunlich bei EC2 und auch den anderen Amazon-Services im Web ist der geringe Einstiegspreis. Er macht skalierbare Anwendungen auf breiter Basis erschwinglich.

Kleine Unternehmen fangen klein an und können, wenn die Auftragslage unerwartet gut ist, sofort – ohne für teures Geld Rechnerkapazität kaufen zu müssen – für “Peanuts” aufrüsten. Und fällt der größte Kunde plötzlich weg, ist auch das Abschalten der überflüssigen EC2-Kapazität problemfrei. Geben wir dem Ding einen Namen: On-Dmand-Computing. Klingt doch eindrucksvoller als “EC2” und wird auch von denjenigen verstanden, die sich erst an “On-Demand-Produktion” gewöhnen mussten.