Schnapsidee Handy-TV: Bewegte Bilder im Daumenkino

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Trotz Fußball­-WM hatte das Fernsehen am Mobiltelefon-Display nicht gezündet. Nun soll das Lieblingsspielzeug der Handyhersteller und Provider zu Weihnachten die Nutzer hinter dem Ofen hervorlocken. Wenn das mal kein Schuss in selbigen wird…

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Technisch ist es ja kein Problem (mehr), das Mobiltelefon auch zum Fernseher zu machen. Obwohl ja weder die Frequenzen geklärt noch eine einheitliche Technik etabliert sind. Doch das größte Problem bleibt: Das mobile Fernsehen gibt es nicht zum Nulltarif. Und für das Schauen in die mobile Mini-Röhre wollte bislang so gut wie niemand richtiges Geld abdrücken. Nicht mal beim Groß-TV wollen allzu viele Zeitgenossen für Programm zahlen. Davon kann Premiere ein Lied singen.
Ähnlich ergeht es der Sendergruppe Pro Sieben Sat.1, die schon seit zwei Jahren die ansonsten erfolgreiche Seifenoper “Verliebt in Berlin” über UMTS-Handy wie Sauerbier anbietet. Der Breitbandstandard war selbst glücklos gestartet und ist eigentlich für TV auch nicht konzipiert, denn bei stark steigenden Nutzerzahlen versagt die teure Technik. Die Provider entdecken daher DMB (Digital Multimedia Broadcasting) für sich, da die beinahe bundesweit zur Verfügung steht. DMB-Handys hat zum Beispiel der koreanische Hersteller Samsung zu bieten.
Daneben kann das Hosentaschen-Fernsehen über die Konkurrenztechnik DVB-H (Digital Video Broadcasting for Handhelds) abgewickelt werden. Hier ist aber noch nicht geklärt, wer den Netzaufbau bezahlt und betreibt. Vorteil wären aber die bis zu 20 Kanäle, die gleichzeitig zu übertragen sind. Das überzeugt zum Beispiel die RTL-Gruppe, die DMB links liegen lassen will. Auch T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus haben sich für ein gemeinsames DVB-H-Netz ausgesprochen. Doch bis zum Sendebetrieb dürfte es vor 2008 kaum etwas werden. DVB-H-Handys haben übrigens schon Sagem und Nokia fertig entwickelt.
Doch stundenlang auf das Daumenkino starren werden die Zuschauer wohl auch in Zukunft nicht, erwartet selbst Manfred Neumann, der bei Pro Sieben Sat.1 für das Mobilfunkgeschäft zuständig ist.: “Im Schnitt schauen die Zuschauer nach unserer Erfahrung etwa zwei bis fünf Minuten am Stück Handy-TV.” Und dafür um die 10 Euro im Monat abdrücken? Das klingt für mich nach wie vor nach dem nächsten Mega-Flop (aus UMTS nichts gelernt, hmm?). (rm)