Röstäpfel und knusprige iBooks

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Auch Apple darf 1,8 Millionen Akkus seiner Notebook-Serien iBook und PowerBook zurücknehmen, bevor sie überhitzen oder gar in Flammen ausbrechen. Wie schon bei Dell, ist eigentlich der schlampige Akku-Hersteller Sony – es ist von “Verunreinigungen” bei der Herstellung die Rede – schuld an allem und darf auch die ganze Rückruf-Rechnung bezahlen, die zwischen 172 und 258 Millionen US-Dollar betragen soll. Sonys Aktien fielen denn auch gleich um verdiente 3 Prozent.

Die offizielle Version der US-Verbraucherschützer besagt, bislang seien nur neun Überhitzungen von Apples Notebooks bekannt. Zwei Benutzer hätten leichte Verbrennungen davongetragen, auch sei es zu diversen Sachbeschädigungen gekommen. Lohnt es sich bei einem solchen statistischen Risiko überhaupt, sich der Mühsal eines Akku-Austausches zu unterziehen? Wenn man wie ich stolzer Besitzer eines iBooks aus dem Jahr 2001 ist und einen entzündlichen Akku aus dem letzten Jahr drin hat – JA! Es laptop-üblich auf dem Schoß zu balancieren und Inquirer zu lesen, geht da nicht mehr, ohne an Körperteile zu denken, die auf Verbrennungen besonders empfindlich reagieren – AAH!

Apple macht es einem leider nicht gerade einfach, die Unversehrtheit der eigenen Organe zu bewahren. Zwar informiert eine Webseite über die betroffenen Bereiche von Seriennummern und lässt gleich einen neuen coolen Akku anfordern. Dabei ist aber erstmal nur von Notebooks mit G4-Prozessoren die Rede. Nur wer sich durch die “Häufig gestellten Fragen” klickt, darf erfahren, dass auch ältere iBooks mit G3-Prozessor betroffen sind, wenn man in den letzten Jahren einen neuen Akku von Apple geholt hat. Und die Seriennummer meines Akkus − kein Zweifel, auch er gehört zu den leicht brennbaren. Wer jetzt aber eine solche Seriennummer für den Akkutausch eingibt, bekommt oft die Meldung: “Die Seriennummer ist ungültig bzw. nicht zur Teilnahme am Programm zum Austausch von Batterien berechtigt.”

Ausgerechnet das passierte auch mir. Um das auszubügeln, waren zwei längere kostenpflichtige Anrufe von rund einer halben Stunde bei der überlasteten Apple-Hotline fällig. Das Problem sei bekannt, hieß es schließlich. Meine Daten wurden von einem Telefonisten, der immerhin recht gut Deutsch konnte, manuell aufgenommen. Bei der Seriennummer musste er etwas “verschieben”, wie er sagte. Bis in vielleicht sechs Wochen soll ich mein iBook dann auch wieder mit Akku statt mit Netzteil benutzen dürfen, ohne den Feuerlöscher in Reichweite zu halten.

Die Kollegen vom englischen Inquirer berichten von weiteren Merkwürdigkeiten bei Apples Akkutausch-Aktion. Und sogar Dell (mit vier Millionen entzündlichen Akkus im Austausch) soll es weit besser auf die Reihe bekommen haben. [Bernd Kling/fe]

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