ITK-Branche im Fusionsrausch
Warum Firmen sich dem Sog der Fusionen nicht entziehen können

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“The urge to merge”, frotzelt Peter Judge von der IT Week über das neue Joint Venture zwischen Nokia und Siemens. Das wird einen Telekomriesen gebären – aber ist größer wirklich besser?

Jeder mit jedem

ITK-Branche im Fusionsrausch

Fusionen sind momentan absolut “in”. Ende Juni konnten wir die Erschaffung von Nokia Siemens Networks (NSN) miterleben, mit dem die neuen Partner dem Konkurrenten Alcatel dicht auf den Fersen sind. Der hat neulich Lucent für 14 Milliarden Dollar eingekauft. All das geschah, nachdem Ericsson sich voriges Jahr für 2 Milliarden Dollar auf die Überreste von Marconi gestürzt hat.

Man teilt uns mit, dass diese Fusionen erforderlich sind, da man der Niedrigpreis-Konkurrenz seitens durch Unternehmen aus dem Fernen Osten – wie Chinas Huawei – begegnen müsse.

Aber sind Fusionen wirklich der beste Weg, um sich der asiatischen Konkurrenz entgegenzustellen? Sicher, sie bringen höhere Umsätze und eine ausreichende Firmengröße für den globalen Wettbewerb – aber reicht das?


Nokia-Siemens – ein beginnendes Trauerspiel?

ITK-Branche im Fusionsrausch

Analysten sind nicht überzeugt, dass NSN in fünf Jahren ein profitables Unternehmen sein wird – und weisen darauf hin, dass größere Unternehmen typischerweise langsamer und weniger innovativ als kleinere sind.

Es wird also Jahre dauern, bis sich NSN richtig eingerichtet hat und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das fusionierte Unternehmen den harten Anforderungen der – raschen Veränderungen unterworfenen – Telekomindustrie nicht gewachsen sein wird. Das gilt auch, wenn es denn organisatorisch schließlich alles in Sack und Tüten hat.

Betreiber von Fest- und Mobilnetzen verwenden zunehmend Standard-Hardware. Und bei standardisierten Geräten brauchen die Betreiber diese nicht mehr unbedingt von der selben Quelle wie die Netzdienstleistung beziehen. Damit gibt es keinen ersichtlichen Grund mehr, als Anbieter sowohl Geräte als auch Infrastruktur und Netze in der gleichen Firmengruppe zu behalten.


Wer ist der nächste im Fusions-Karussel?

ITK-Branche im Fusionsrausch

Und wer ist nun der nächste im fröhlichen Fusions-Karussel?
Die beiden anfälligsten Firmen sind Motorola und Nortel.

Könnte aus denen ein Paar werden? Nicht sehr wahrscheinlich, da sich Nortel noch immer von einen Bilanzskandal erholt. Nachdem sich Alcatel nun aber Lucent einverleibt hat, könnte es Nortel vielleicht noch als Dessert verspeisen – obwohl weder das noch eine Cisco/Motorola Heirat eine nahe liegende Partie sind.

Vielleicht wird China der Schlüssel zu Motorolas Schicksal sein – oder Nortel. Huawei ist mit amerikanischen Lieferanten bereits in der Vergangenheit Joint Ventures eingegangen, wovon das mit 3Com im Bereich Unternehmensmarkt am bekanntesten ist.

Jetzt, so wird berichtet, hat Huawei begonnen, Motorola mit GSM-Ausrüstung zu beliefern. Wenn es für Huawei an der Zeit ist, eine globalere Präsenz zu zeigen, wird es dann Motorola kaufen? Wenn es soweit ist – hier lesen Sie es zuerst!