Musikmarkt: Verbände schimpfen schon wieder auf Tauschbörsen (Kommentar)

Allgemein

INQ_Musikmarkt.jpgDer Musikmarkt erlitt im ersten Halbjahr 2006 wieder einen Einbruch, meldet der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft. Was ist da passiert?

“Das anhaltend hohe Niveau der Nutzung illegaler Quellen im Internet und die ungelösten Probleme durch ausufernde private Vervielfältigung erweisen sich unverändert als gefährliche Bremsen für eine positive Marktentwicklung”, beklagt sich Verbandsvorsänger Michael Haentjes öffentlich. Komisch, hatten wir nicht in diesem Jahr von Dutzenden (angeblich) erfolgreicher Razzien zu berichten? Erklären die Verbände nicht ein P2P-Netzwerk nach dem anderen für tot? Gehen nicht die großen Musikverleger selber alternative legale Kooperationen mit ehemals illegalen Tauschbörsen ein? Schrie man nicht Hurra, weil sich die vielen Fußball-Hits hauptsächlich auf Audio-CD verkauften?
Also, vergessen wir mal das propagandistische Profi-Gejammere der paranoiden Verbände. Die Fakten lauten folgendermaßen: Der deutsche Downloadmarkt hat mit 10,2 Millionen Songs und 700.000 Alben ein blühendes Wachstum von über 36 Prozent (!) hingelegt. Der Absatz von CDs ist mit 54,6 Millionen Scheiben ziemlich STABIL geblieben (etwas mehr Alben, weniger Singles). Angesichts des Schrotts, der zum Teil vermarktet wird, ein echtes WUNDER!! Sogar der Absatz der Vinyl-LPs blieb mit 300.000 Stück gleich. Nur von der Musikkassette konnten 1,5 Millionen Stück weniger verkauft werden. DAS liegt ja wohl eher an der völlig toten Technik. Magnetbänder, IGITT! Ergo will uns die Musikindustrie hier wieder die Mähr von den um sich greifenden Raubkopier-Geschwadern unterjubeln. Dabei ist YouTube gerade dabei, Euer gesamtes (und komplett veraltetes) Business-Modell über den Haufen zu werfen (Beispiel: Gnarls Barkley). Darüber solltet Ihr jammern bzw. Eurch langsam mal was einfallen lassen. Obwohl, lasst es doch blieben – lieber haben wir tausend neue Mikro-Plattenverlage und Online-Shops, die den Musikmarkt erneuern. Wer braucht schon die im Gestern lebenden “leeren Anzüge”, die profitable Musiksparten schließen, weil ihnen gerade danach ist. Also, Tschüss! (rm)