Lizenzprobleme bei Multicore-Systemen
Brauchen Multicore-Chips völlig neue Lizenzierungssysteme?

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Mit dem Vormarsch von Multicore-Systemen wird sich einmal mehr die IT-Landschaft verändern. Die Frage, ob Einkäufer wie auch Anbieter von IT-Hardware und -Software für den bevorstehenden Wandel bereit sind, stellt sich immer dringlicher.

Alles viel zu kompliziert

Lizenzprobleme bei Multicore-Systemen

Wie sollen Software-Anbieter ihre Lizenzgebühren berechnen? Sollten sich die Gebühren an der Anzahl der “Cores”, also Rechenkernen im Prozessor, orientieren? Nach Intels Ankündigung, bis zum Ende des Jahres mit Clovertown-Chips mit 4 CPU-Cores auf den Markt zu kommen, gewinnt der Klärungsbedarf in diesen Fragen noch einmal an Bedeutung.

Unternehmen sollten schon einmal den Übergang zu Multicore-Prozessoren planen: Wie viele sollten gekauft werden, ab wann sollen sie eingesetzt werden, und welches sind die Anwendungen und Dienste, die von der Extraleistung profitieren sollen? Sollen auch manche Anwendungen auf Systemen mit nur einem Kern bleiben? Sind diesbezügliche Entscheidungen einmal getroffen, wird man besser abschätzen können, wie sich Systeme mit 4 Kernen auf die Kosten der Software-Lizenzen auswirken werden. Eine automatische Verwaltung von Anwendungen und Diensten, die aufgrund schwankender Nutzung auf einer unterschiedlichen Anzahl von Prozessoren oder -kernen laufen, macht es dabei den Firmen nicht gerade leichter.


Leistung ist nicht leicht zu messen

Lizenzprobleme bei Multicore-Systemen

Die Haltung einiger Software-Anbieter, einschließlich Microsoft und BEA, zielt auf eine Berechnung pro “Socket” (Prozessor-Sockel) ab, ungeachtet der Anzahl der Kerne. Andere wiederum, zum Beispiel Oracle, berechnen ihre Gebühren mit Hilfe kleinster Multiplikatoren, die auf dem Typ des benutzten Chips basieren. Auch dieses System ist für IT-Manager schwer durchschaubar.

Nicht minder komplex stellt sich IBMs Berechnungsmodus der Processor Value Units (PVUs) dar. Die PVUs erfordern die Bewertung der Chips aller größeren Anbieter, um für sie alle daraus eine vergleichbare PVU-Rate festlegen zu können. Dennoch bietet das PVU-System durchaus Vorteile.

Vor vielen Jahren trat die Firma Digital dafür ein, Millionen von Instruktionen pro Sekunde (Mips) zu messen, um die Leistung zu bewerten. Merkwürdigerweise war 1 Mips aber nie mehr als 780.000 Instruktionen, aber das ist wieder ein anderes Thema! – Die Mips-Zahlen jedenfalls haben sich rasch zum Standardbewertungssystem für alle Computerhersteller entwickelt. Sie waren zwar keine exakten Angaben, aber immerhin konnten IT-Experten daraus eine Vorstellung der relativen Leistung gewinnen.


PVU – ein Konzept, dass sicfh durchsetzen könnte

Lizenzprobleme bei Multicore-Systemen

Es mag sein, dass die heute so komplexen Fragen rund um die Lizenzierung ein Konzept wie das der PVUs als Basis für ein wirksames Bewertungssystem erfordern, um die Kosten von Software-Lizenzen zu bestimmen. Vor allem bei servicebasierten Geschäftsmodellen mit einer Gebühr pro Nutzer wäre das Konzept sinnvoll. So könnte sich etwa die Lizenzgebühr errechnen aus der PVU-Rate multipliziert mit einem Kosten/Zeit-Faktor, und das Ganze multipliziert mit der tatsächlichen Nutzungszeit. Um allgemein akzeptiert zu werden, bedürfte dieser Ansatz wahrscheinlich der Unterstützung einer anerkannten industriellen Arbeitsgemeinschaft.

IBM, Hersteller von Prozessoren, Servern, Betriebssystemen und Anwendungssoftware, dürfte in der Lage sein, dieses Konzept zu verkaufen. Und wenn IBM den Job gut macht, könnte das zu einem allgemeinen Geschäftsmodell führen, das als Grundlage für den Aufbau servicebasierter Infrastrukturen dient.