Wirbel um Prof-Benotung: … und manche Schweine sind gleicher

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Man fühlt sich leicht an George Orwells Fabel “Farm der Tiere” erinnert angesichts des kuriosen Hickhacks rund um eine deutsche Website: Während Lehrer und Professoren hemmungslos alles benoten, was ihnen vor die Augen kommt, versuchen sie mit allen Mitteln zu verhindern, dass jemand sie benotet. Erst Recht, wenn es sich dabei um Schüler und Studenten handelt. Plötzlich sei der Datenschutz verletzt. Oh boy!

Die aktuelle Abwehrschlacht des Lehrpersonals gilt der Internetseite MeinProf. Hier bewerten die Studenten ihre Professoren, um ihren Kommilitonen eine Orientierung zu geben, welche Uni und welche Kurse sie anstreben sollten – und welche eher nicht. Eigentlich eine nützliche Hilfe im deutschen Bestreben, Elite-Hochschulen schaffen zu wollen. Doch einige Vertreter des Lehrpersonals – lasst mich raten: jene mit den schlechten Noten – haben sich der Unterstützung von Datenschützern versichert. So fordert jetzt der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix die Betreiber der MeinProf-Seite – die studentische Unternehmensberatung CCT e.V. – auf, wesentliche Funktionen zu ändern. Das Bewertungsverfahren verstoße gegen das Persönlichkeitsrecht, behauptet Dix. Bevor ihre Kurse online erscheinen, müssten Dozenten darüber informiert werden. “Und die dürfen dann sagen, ich will nicht,” fordert er. Eine Nutzerregistrierung, damit nicht einfach jeder die Daten abrufen könne, wünscht er sich auch noch. Nun können die MeinProf-Akteure den Datenschützer nicht als paranoiden Spinner abtun, denn schon 2005 erwirkte er die Abschaltung einer ähnlichen Zensurenvergabe. Haben sie auch nicht, denn sie schalteten Anwalt Lambert Großkopf ein. “Die Bemerkungen auf der Seite fallen unter das Recht der freien Meinungsäußerung”, argumentiert der Jurist, der für Ende des Monats eine offizielle Stellungnahme vorbereitet. Kommt es dann nicht zu einer Einigung mit den Datenschützern, wird der Fall vor Gericht entschieden. (rm)