Ist Google eine Datenkrake?
Alles Wissen der Welt

Big DataData & StoragePolitikRechtSoftware

Google erweitert seine Datenbanken nicht nur mit Informationen aus dem Internet, sondern auch mit Daten über die Benutzer der Google-Dienste? Steckt in seinem immensen Wissen das Potenzial zum Missbrauch?

Datensammelwut

Ist Google eine Datenkrake?

Google hat – im Gegensatz zum vermeintlich ewig bösen Microsoft – einen untadeligen Ruf. Doch Googles Datensammelwut gibt Anlass für berechtigte Kritik. Ingo Böhme Google und Apple sind gut, Microsoft ist böse. Während uns die einen mit tollen Internet-Suchergebnissen oder einfach zu bedienenden MP3-Playern das digitale Leben erleichtern, machen es uns die anderen mit ihrem Monopol und den ewigen Sicherheitslücken zur Hölle. Soweit der bislang gültige und immens vereinfachte Blick auf das Image der umtriebigen Tech-Firmen. Im Falle von Google könnte sich das Sympathieblatt aber wenden.

Denn Monopolist sind die Kalifornier auch und beinahe monatlich startet das Unternehmen mit dem lustig-bunten Logo neue Dienste, die das Wissen der allmächtigen Google-Datenbanken noch erweitert. Und zwar nicht nur über das im Internet verstreute Wissen der Welt, sondern auch über die Benutzer der Google-Dienste. Selten wurden derart viele persönliche Informationen in die Hand eines einzelnen Unternehmens gelegt.


Nutzer durchleuchtet

Ist Google eine Datenkrake?

Die Informationen, die das Unternehmen mit Hilfe all seiner Services über den einzelnen User erfasst, sind beträchtlich. Bereits aus den Suchbegriffen des täglichen Lebens kann ein klares Persönlichkeitsprofil jedes Surfers erstellt werden. Da ein Großteil der Websites Google-Ads einblendet, kann der Surfer über das Tracking-Cookie von Googlesyndication.com oder das des kostenlosen und in vielen Seiten eingebundenen Website-Statistiktools Google-Analytics.com fast lückenlos auf seinem Weg verfolgt werden. Ein Klick auf einen Werbelink verrät die Interessen des Nutzers. Über den neuen Dienst Google Checkout getätigte Onlinezahlungen stellen die Verbindung zu seinen persönlichen Daten her und zeigen, wofür er Geld ausgibt. Alles Informationen, mit denen das Anzeigengeschäft noch individueller zugeschnitten werden kann. Alles zum Wohle und Komfort des Benutzers. Sagt Google. Eine wirkliche Gefahr sei all das nicht, sondern lediglich ein ? wenn auch sehr umstrittenes – Mittel zur Umsatzmaximierung in Googles Hauptaufgabengebiet, der Suche und dem damit zusammenhängende Anzeigengeschäft. Stolze 70 Prozent der immens vielen Google-Entwicklerstunden fließen in diesen Teil des Portfolios.

Kein Wunder, macht Google hier doch gleich doppelt Kasse. Zum einen durch die Anzeigen am rechten Rand der eigenen Suchergebnisseiten. Zum anderen können Homepage-Besitzer überall auf der Welt Google-Werbung über das Adsense-Programm auf ihren Seiten einblenden und werden prozentual an den so generierten Einnahmen beteiligt. Da Google den Inhalt der Internetseiten kennt, kann das Adsense-System themenrelevante Anzeigen einblenden, was die Klickrate und damit den Umsatz erhöht. So verdient Google nicht nur auf den eigenen Seiten, sondern auch auf Millionen fremder Webauftritte sein Geld. So viel Geld, dass es sich das Unternehmen leisten kann, die Entwicklung zahlloser neuer Services zu finanzieren, die User weltweit kostenlos nutzen können.


Droht die Datenkrake?

Ist Google eine Datenkrake?

Gefährlich kann es dann werden, wenn sich Informationen vernetzen lassen. Wenn man etwa plötzlich bei Google merkt, dass ein Konzern verstärkt nach einer bestimmten Technologie recherchiert. Wenn in Krisengebieten der Run auf radikale Literatur festzustellen ist. Wenn in Ländern wie China, wo Google Suchanfragen zensiert, die Regierung Infos über das Interesse ihrer Bürger an dortzulande illegalen Inhalten erhält. Kurz: Wenn die Datenbank-Informationen über den Einzelnen auf Bewegungen und Tendenzen übertragen werden.

Für all das reicht theoretisch schon die Suche, bedenkt man, dass Google den Großteil des Marktes beherrscht. Dazu kommt aber inzwischen noch, dass die Benutzer ihre Officedokumente über Writeley und Spreadsheet oder Termine über Calendar online bei Google speichern. Und dass auch der Gmail.com-Nachrichtenverkehr durch Googles Datenkanäle läuft. Dass die Google-Desktop-Suche den PC besser kennt als sein Besitzer. Dass Web Accelerator den gesamten ein- und ausgehenden Online-Traffic untersucht. Dass Handy- und Location-Services eine genaue Positionsbestimmung ermöglichen.


Alles nur Paranoia?

Ist Google eine Datenkrake?

Keine dieser Informationen muss zwangsläufig zum Missbrauch der wertvollen Daten führen. Vielleicht ist Google wirklich der sanfte, freundliche Datenriese, als der er sich so gerne darstellt. Oder es geht nur und alleine ums Business und die Informationskonzentration, wie es der Google-Fiction-Kurzfilm Epic 2015 (http://blog.aperto.de) so treffend illustriert. Doch auch wenn Google Vizepräsidentin Marissa Mayer all diese Datenmissbrauchsgedanken als »paranoid« bezeichnet: Vorsicht beim Umgang mit persönlichen Daten schadet auch beim bislang ausgesprochen fairen Unternehmen Google nicht.

Schließlich hat sich das Unternehmen das ehrgeizige Ziel gesetzt, die »? Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen«, wie die Firmenphilosopie unter www.google.de/ corporate erklärt. Schaut man sich die neueren und neuen Google-Dienste an, nähert sich das Unternehmen diesem Ziel mit Siebenmeilenstiefeln: Mit Search und Analytics ist Web und Wissenschaft im ständigen Fokus. Maps und Earth decken die Geografie ab. Mit Books kommen auch Wissen und Literatur dazu. Die Liste lässt sich durch fast alle Bereiche der menschlichen Kultur führen. Und was noch nicht im Datenpool ist, wird als Ziel gesteckt und ans riesige Entwicklerteam weitergegeben.

Weitere Infos
– Google-Dienste
www.google.com/options

– Deutsche Google-Dienste
www.google.de/options

– Google-Service-Prototypen
http://labs.google.com