PEBL, RAZR, MOFI, F… – Unbedachtes Mobiltelefon-Marketing
Die verpönten Vier-Buchstaben-Worte als Werbegag?

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Die Idee, Produkte PEBL oder RAZR zu nennen ist zwar raffiniert, aber dieser Schuss kann auch nach hinten losgehen. Ein Siemens-BenQ-Telefon zeigt genau, warum dem so ist.

Der Mist mit dem Mist…

PEBL, RAZR, MOFI, F… – Unbedachtes Mobiltelefon-Marketing

In den 50ern brachte Rolls-Royce ein neues Auto auf den Markt, das nur so dahin glitt, lautlos wie eine Wolke. Also nannte man es Silver Cloud, passend zu Silver Shadow, Phantom und Dawn.

In den 70ern tauchte für eine kurze Zeit der Silver Mist auf. Jedoch hätte eine zumindest ansatzweise tiefgründige Marktforschung ausreichen sollen, Rolls vorzuwarnen, dass das englische Wort für “Nebel” auf deutsch so etwas wie “Kuh-Dung” heißt und für eine Edelkarosse unpassend ist – mag das Vehikel auch noch so nebelartig vorbeischweben. Deshalb blieb dem Produktnamen nur ein Nischenmarkt. Konkret, waren dies Käufer von Limousinen mit Spezialausstattung nach dem “Build-to-Order” Prinzip.

Aber es gibt wohl kein Wort, das nicht in irgendeiner Sprache dieser Welt als unanständig gilt, wie am Beispiel von Mobiltelefonen deutlich zu sehen ist.


Google als Warnleuchte

PEBL, RAZR, MOFI, F… – Unbedachtes Mobiltelefon-Marketing

Deshalb fasziniert mich, wie Motorola versucht, das Tabu der häufig negativ belegten Vier-Buchstaben-Worte mit seinen Namen für die Telefone zu brechen. Es scheint, dass sie die Nase voll haben, Ihre Produkte mit solchen stumpfsinnigen und langweiligen Bezeichnungen wie V276 oder 345 zu versehen – und dabei durchaus Erfolge verbuchten. Diese Vier-Buchstaben-Worte sind natürlich nicht unanständig – es sind noch nicht einmal Worte. Das PEBL sieht wie ein Feuerstein (engl. pebble) aus und RAZR (razor – die Rasierklinge) würde Sie schneiden, so scharf ist es. Außerhalb des Kontexts der englischen Sprache allerdings, wo man leicht erkennen kann, was es heißen könnte, heißt es woanders gar nix – nirgendwo.

Die Idee wird mittlerweile kopiert. Vor zehn Jahren wäre das wohl entschuldbar gewesen. Heutzutage sollte Google aber als Warnung dafür dienen, welche Risiken damit verbunden sind.


Fischige Handys,,,

PEBL, RAZR, MOFI, F… – Unbedachtes Mobiltelefon-Marketing

So ist zum Beispiel das Vietnamesische Ministerium für Fischereiwesen einen Versuch wert, denn genau das erscheint ganz oben bei den Suchergebnissen, gibt man MOFI in die Suchmaske ein. Wollten Siemens und BenQ auf diese Weise auf Kundenfang für ihr E61 MOFI Telefon gehen? Ob ein “fischiges” Telefon gekauft wird?

Oder wie wäre es mit der Diskussionsplattform “Monkey Filter metafilter” im Web? Oder der Homepage des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen (“Ministry of Finance and Industry” – MOFI eben!) der Vereinigten Arabischen Emirate?

Ich habe darüber gerade so vor mich hingekichert als ein Freund aus Südafrika Online ging. “Ich vermute, dass sie das nächste Telefon als PFTA auf den Markt bringen werden, dem wird dann das WNKA oder vielleicht das TSSR folgen”, witzelte er. Ich habe versucht herauszufinden, was er damit meint – aber ohne Erfolg. Angesichts seiner Herkunft dachte ich mir, es lohnt sich vielleicht mal, in seiner zweiten Landessprache zu “googeln”…


Siemens MOFI In Südafrika nicht für Heteros

PEBL, RAZR, MOFI, F… – Unbedachtes Mobiltelefon-Marketing

…und siehe da – Wikipedia teilt alles Wissenswerte über “Moffie” mit und macht deutlich, warum der Name MOFI in Südafrika seine Tücken haben könnte. Wir schreiben das besser nicht, aber Sie sehen es hinter dem Wikipedia-Link ja selbst.

Ganz real verbirgt sich hinter MOFI “Mobile Fidelity” und bezieht sich auf die 512 MByte Musikspeicher, die das Telefon hat.

Inzwischen finde sich der Begriff auf den Siemens-BenQ-Websiten schon nicht mehr – hat da wohl doch jemand etwas bemerkt?

In Südafrika wird das Gerät garantiert als E61 verkauft werden. Obwohl… man schreibt dort ja nicht mehr viele Zahlen in dieser Form.