Web-Services kannibalisieren Unternehmens-Software
Gehostete IT-Dienste bahnen sich ihren Weg in die High-Society

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Ursprünglich als Nischenangebot für kleinere Firmen betrachtet, etabliert sich gehostete Software neuerdings immer mehr bei Großunternehmen. Die neuen Web-Services könnten durchaus den bisherigen Software-Mark kannibalisieren.

Kampfansage: Microsofts CRM-Hosting-Ankündigung

Web-Services kannibalisieren Unternehmens-Software

Microsoft hat kürzlich angekündigt, im nächsten Jahr eine Online-Version seiner CRM-Software auf den Markt zu bringen. Die Software selbst hat sich noch nicht so gut verkauft wie geplant, wieso also nicht das Ganze als Web-Service ausprobieren?

Dieses neue Vorhaben könnte bei den jetzigen CRM-Spezialisten die Alarmglocken schrillen lassen, aber wenn diese es lieber positiv sehen, heißt es auch: Die Nachfrage nach gehosteten CRM-Systemen steigt.

NetSuite und Salesforce.com sind zurzeit führend unter den Anbietern von gehosteten Anwendungen in diesem Bereich. Gerade NetSuite könnte von Microsofts Ankündigung profitieren, kann man diese doch als erhebliche Aufwertung der gehosteten Systemen interpretieren. Deshalb mag dies für NetSuite und dessen Aktienpreis eine gute Nachricht sein – das Unternehmen plant gerade seinen Börsengang auf den amerikanischen Aktienmärkten.


Riesige Geldsummen anvisiert

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Was also schwebt Microsoft auf diesem Markt vor? Nun, sicher die Möglichkeit beträchtlicher Einnahmen, die hoch genug sind, um vom traditionellen Geschäftsmodell Abstand zu nehmen, Produktlizenzen gegen Vorabzahlung zu verkaufen.

Mittlerweile nimmt der Trend zu gehosteten Systemen zu. NetSuite hat vor Kurzem eine Vertragserweiterung mit dem Unternehmen Carphone Warehouse (Europas größtem unabhängigen Anbieter im Bereich der Mobilkommunikation) angekündigt, welche die Anzahl der vom Server unterstützten Arbeitsplätze auf rund 2000 erhöht. Das mag ein Indikator dafür sein, wie sich der breitere Markt für gehostete Anwendungen entwickeln wird.

Viele Leute nehmen bislang an, dass gehostete Anwendungen vor allem Klein- und Mittelständische Unternehmen (KMUs) als Zielgruppe anvisieren und nicht so sehr die Großkonzerne. Die KMUs sind auch tatsächlich wichtige Kunden. Aber Carphone Warehouse ist ein sehr großes Unternehmen – eines der Unternehmen, die im Index der Londoner Stock Exchange unter den 250 wichtigsten Unternehmen geführt werden und dessen Umsatz 4,3 Milliarden Euro übersteigt. Die Firma könnte sich ein betriebsinternes CRM leisten wenn sie denn wollte, aber das Unternehmen betrachtet ein gehostetes System als eine ausreichend zuverlässige und kostengünstige Alternative. Wenn dieses Modell nun für CRM geeignet ist, könnte es sich auch für andere Anwendungen und Dienste als passend erweisen.


Microsoft, Google und andere testen fleißig

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Gehostete Angebote werden mit aller Wahrscheinlichkeit für immer mehr Zwecke eingesetzt werden. Man findet sie bereits stark vertreten auf dem KMU-Markt, wo die Firmen sich einiger Aufgabenbereiche des IT-Managements entledigen wollen. Auf die gleiche Weise könnten noch weitere Dienstleistungen gebündelt und ausgelagert werden – sowohl für größere als auch kleinere Unternehmen.

Microsoft hat das Potential zum größten Dienstleister von allen und hat sein Windows Live Project schon in der Betaphase des Testbetriebs. Dies wiederum könnte den Weg ebnen für Online-Versionen seines Officepakets – auch die sind schon im Test, wie an der Online-Testversion von Office 2007 zu erkennen ist.

Unterdessen hat Google mit der öffentlichen Erprobung seines Online-Spreadsheets begonnen. Hinter Googles kleiner, ordentlicher und übersichtlicher Startseite verbergen sich eine große Mengen von Versuchsprojekten dieser Art.


Beträchtlicher Markt für Selbstkannibalisierung

Web-Services kannibalisieren Unternehmens-Software

In Großbritannien hostet British Telecom die E-Mail ihrer Breitbandkunden auf Microsoft Exchange Servern. Und, natürlich bietet eine Reihe von kleineren Dienstleistern wie MyOffice.net eine Auswahl von Online-Anwendungen an, zu denen Mail, Kontakte und Kalender gehören.

Solche Angebote könnten sich einen beträchtlichen Markt erobern und außerdem für Microsofts traditionelle Softwarepakete von der Stange eine erhebliche Bedrohung darstellen. Kein Wunder also, dass sich Microsoft lieber selbst kannibalisiert als dies anderen zu überlassen.