Neue Taktik der Raubkopier-Jäger: Miami Vice gegen böse Downloader

Allgemein

INQ_MiamiVice.jpgWer das Pech hat, in die neue Kinoverfilmung von “Miami Vice” zu geraten, wird eine ganz innovative Variante der Produkt-Platzierung erleben: Die Botschafts-Platzierung. Darauf sind die Erfinder von DRM, die Musik- und Filmverbände MPAA, RIAA und BSA (klingt alles wie eine ansteckende Krankheit) verfallen. Sie haben dem Drehbuchautor oder der Filmfirma (oder wem auch immer) Geld oder eine Yacht zugesteckt, woraufhin der Film nun allen Ernstes vor bösen Raubkopierern warnt.

Über den Miami-Vice-Film selber sollten wir besser nicht reden. Totschweigen wäre die richtige Strafe für das Machwerk. So bleibt tatsächlich die eingebaute Verbands-Botschaft der einzige erwähnenswerte Moment im ganzen Streifen. Und die wurde nicht etwa in Vor- oder Abspann eingebaut, sondern direkt einem der unfähigen Schauspieler ungekonnt auf die Zunge gelegt, weshalb es auch gleich auffällt. Also: In einer Szene reden die verkleideten Polizisten über die großen Drogendealer und wie international deren Geschäfte nun abgewickelt werden. Die bösen Jungs könnten heutzutage problemlos “Kokain, Heroin (x weitere Drogensorten) aus Ländern wie Afghanistan und Kolumbien sowie ´raubkopierte Software aus China` ins Land schaffen.” Zitat Ende. Ja, genau, noch schlimmer als Angel Dust, Crack oder sonstiger synthetischer Scheiß sind die sofort süchtig machenden und die Gesellschaft zerstörenden Fake-Programme. Nein, bevor jemand fragt, die Software gehört keineswegs zur Filmhandlung. Sie kommt nie nicht vor und passt auch nicht in die Szene. Es ist eine beschissene Negativ-Werbebotschaft. Und nein, wir wissen nicht, ob dieses Fragment auch in der deutschen Kinofassung enthalten ist (falls sich jemand Miami Vice freiwillig antut, kann er es uns ja verraten).
Nun ist es also passiert, der Virus ist übergesprungen, die Büchse der modernen Popkultur für zielgerichtete Messages geöffnet. Wenn das Schule macht, erfahren wir bald in Indiana Jones 4, dass die bösen Nazis wahre Open-Source-Fanatiker waren, die mit ihrem blutigen Firefox durch die Gegend rumpelten – oder so ähnlich.
(Charlie Demerjian/rm)

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