Rundum neu: DTP-Spezialist Quark
Quark Xpress 7 – kein Quantensprung

Software

Mit Version 7 reagiert DTP-Marktführer Quark auf die Konkurrenz durch Adobe Indesign. Ein Highlight ist die OpenType-Unterstützung.

Verbesserte Typografie

Rundum neu: DTP-Spezialist Quark

Der DTP-Spezialist Quark ist mächtig unter Druck. Immer stärker wird die Konkurrenz durch Adobes Indesign. Spät, aber vielleicht nicht zu spät haben die Quark-Manager aus Denver, Colorado jetzt reagiert. Ein runderneuertes Quark Xpress 7 soll nun die Anwender mit zahlreichen neuen Features verwöhnen – das erste wirklich große Update seit dem Marktstart von Adobes Indesign im Jahr 1999.

Es stellt sich die Frage, was Quark mit dem am 31. Mai vorgestellten Quark Xpress 7 der Konkurrenz entgegensetzen will. Wer beispielsweise in Indesign mit Transparenzen und Schatten arbeiten will, muss nicht extra den Umweg über Photoshop nehmen – hier zieht Xpress 7 nun nach: Für Texte, Bilder, Verläufe, Rahmen, Ränder und Linien lässt sich die Deckkraft (Opazität) einstellen, wobei der Opazitätsgrad von 0,1 bis 100 Prozent reicht.

Auch für Schatten kann die Opazität definiert werden, ebenso wie Kantenhärte, Neigung, Winkel und Umfluss. In puncto Typografie holt Quark ebenfalls auf und unterstützt jetzt OpenType- und Unicode-Zeichensätze. Das war bisher eine Spezialität von Indesign. Die OpenType-Schriften bieten etwa Sonderzeichen wie Ligaturen und echte Kapitälchen.


Job-Steuerung mit Job Jackets

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So genannte Job Jackets sollen mögliche Prepress-Probleme vermeiden helfen. Beispielsweise sollen Projekte einwandfrei an das Ausgabegerät gesendet werden, ohne dass Grafikdateien oder Schriften fehlen.

Die Job-Jacket-Dateien enthalten alle für die Beschreibung eines Xpress-Projekts erforderlichen Regeln und Spezifikationen für Farben, Stilvorlagen, Farbraum, Auflösung von Bildern und so weiter. Legt der Layouter ein Quark-Projekt aus einer Job-Jacket-Datei an, so werden alle benötigten Layouts automatisch mit der vorgegebenen Anzahl von Seiten und allen anderen Einstellungen erzeugt. Der Layouter kann regelmäßig eine Prüfung des Layouts vornehmen und die Einhaltung der Job-Parameter prüfen. Mithilfe der Job Jackets wird auch die stilistische Konsistenz innerhalb einer Layout-Gruppe sichergestellt.

Die Job-Jacket-Funktionen sind sicher die richtige Maßnahme, um Termin- und Budgetüberschreitungen zu vermeiden. Die Handhabung des Features ist aber sehr komplex. Deshalb ist hier eine Schulung sinnvoll.


Multiuser-Seitenmontage

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Eine weitere lobenswerte Neuerung sind die Composition Zones, mit denen mehrere Anwender zeitgleich am selben Projekt arbeiten können. Diese Multiuser-Seitenmontage ist beispielsweise ideal, wenn eine Anzeige von mehreren Personen gleichzeitig gestaltet werden soll: Ein Layouter bearbeitet das Gesamterscheinungsbild, ein Texter entwirft den Text und ein Illustrator probiert diverse Grafikvarianten. Um eine Composition Zone einzurichten, müssen lediglich die gewünschten Objekte markiert und der Befehl Objekt/Composition Zone/Anlegen gewählt werden.

Erweitert wurden auch die Ausgabeoptionen. Xpress 7 enthält jetzt unter anderem Stile zum Sichern von PDF/X und PPML (Personalized Print Markup Language) für automatisiertes Database-Publishing. PDF/X ist eine speziell angepasste Version des PDF-Formats, die Probleme bei der Print-Produktion verhindern soll.


Die Erfolgsgeschichte von Adobe Indesign

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Bis in die 90er Jahre dominierte Quark Xpress den DTP-Markt mit Anteilen um die 90 Prozent, doch die Blütezeit endete 1999 mit dem Launch von Adobe Indesign 1.0. Seitdem wird Adobes Layoutprogramm immer populärer. Die Verkaufszahlen der einzelnen Boxprodukte haben sich weltweit innerhalb von zwei Jahren mehr als verdreifacht .

Auch was die Verbreitung anbelangt, holt die Adobe-Software auf: Laut einer Studie von Design Tools Monthly – einem Newsletter für Grafikprofis – vom Januar 2005 wurde Indesign in DTP-Kreisen von 60 Prozent der Abonnenten genutzt, Quark Xpress verwendeten 75 Prozent der Leser. Offenbar gibt es Mehrfachnutzer.

Auch die jüngsten Entwicklungen demonstrieren Indesigns Erfolg: Am 1. Juni dieses Jahres gab Hubert Burda Medien (Playboy, Focus et cetera) den Umstieg von Quark Xpress und Quark Publishing System (QPS) auf das K4 Publishing System von Softcare in Kombination mit Indesign und Incopy bekannt. Alle 68 Titel des Verlags werden mit dem neuen System produziert. Damit findet sich Burda in illustrer Gesellschaft: So stieg der Verlag Wort&Bild schon 2004 um, im gleichen Jahr löste auch beim Gong-Verlag das K4-Publishing das QPS-System ab.


Umsteiger auf Indesign

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Nach den Gründen für den Umstieg befragt, nennen Projektleiter und Grafiker immer die gleichen Argumente. Negativfaktoren sind zum einen die relativ hohen Kosten, gepaart mit Quarks rigider Lizenzpolitik. So moniert Thomas Schur, Grafiker aus München: »Quark hat sich jahrelang marginale Änderungen zur nächsten Programmversion teuer bezahlen lassen. Indesign benötigt keinerlei Programmerweiterungen und stellt schon in der Basisversion ein komplettes Paket dar, das zu einem vergleichsweise erschwinglichen Preis zu bekommen ist.«

Zwar hat Quark den Preis für das multilinguale Xpress Passport 7 von 2340 Euro (Passport 6) auf 1300 Euro reduziert. Indesign CS2 kostet genauso viel, doch für 2090 Euro erhält der Anwender die komplette Creative Suite CS inklusive Indesign, Photoshop, Illustrator, Acrobat und GoLive.


Argumente für Indesign

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Als weitere Vorzüge von Indesign werden das gute Zusammenspiel mit den anderen Adobe-Applikationen genannt wie die Übernahme von Vektorgrafiken aus Illustrator und die Einbettung von PSD-Dateien mit Transparenzen. Auch Tabellen sind viel besser zu handhaben als in Quark Xpress, da sie sich automatisch dem Inhalt anpassen. Gelobt wird auch die Möglichkeit, eigene PDF-Profile anzulegen und direkt aus Indesign zu exportieren, ohne den Umweg über den Distiller nehmen zu müssen.

Auch Effekte wie transparente Farbflächen, weiche Kanten und Schlagschatten sowie die vielseitigeren typografischen Einstellungen sind ein Kriterium. Layouter und Prepress-Spezialisten in den Verlagen schätzen die SQL-Schnittstellen, die einfache Handhabung sowie die Anpassungsoptionen der Kombination aus K4, Indesign und Incopy.

Dennoch will Quark sich nicht geschlagen geben. Die neuen Features sollen unzufriedene Quark-Anwender vom Umstieg auf Indesign abhalten. Dabei sind dies nur einige der zahlreichen Neuerungen – ein Test von Version 7 folgt in der nächsten PCpro-Ausgabe.


Neuerungen überfällig

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Einen Quantensprung bringt das neue Quark nicht. Einige der Neuerungen wie Transparenzen und OpenType-Unterstützung sind längst überfällig. Fraglich ist auch, ob die neuen Features Indesign-User zum Umstieg bewegen können. Überzeugender ist da schon die Universal Binary: Xpress 7 soll noch 2006 auch als Universalanwendung (Universal Binary) für Macs mit Intel-CPU verfügbar sein. Die Universal Public Binary Beta 1 steht unter http://euro.quark.com/de/products/xpress/seven/beta.html zum Download bereit.

Indesign CS2 ist nicht als Universal-Anwendung geplant. Das soll erst die Version CS3 leisten, die für Mitte 2007 erwartet wird
– ein Vorsprung für Quark.

Einen ähnlichen Vorteil hatte sich Adobe Anfang 2002 erarbeitet. Damals unterstützte Indesign 2.0 als erste Publishing-Software Mac OS X.


Das ist neu

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– Transparenzen, Schatten, Alphamasken
– Erweiterte Bildeffekte
– Multiuser-Seitenmontage (Composition Zones)
– Darstellen mehrerer Layouts in einem Projektfenster
– Job-Steuerung mit Job Jackets
– Verbesserte Tabellen
– OpenType- und Unicode-Unterstützung
– Verbessertes Farb- und Layoutmanagement
– Anlegen individueller Palettengruppen
– Erweiterte Maßpalette
– PDF/X 1a- und PDF/X 3-Verifizierung
– Schulungsvideo